Aber heute an dem Ehrentage meines bestandenen Examens zog sie ihr schwarzes Gottestischkleid an, während sie sonst nur in schwarzseidener Schürze um meinen Vater trauerte.
Wie ein Bild saß sie da und schaute durch das Fenster in das verglimmende Abendrot, die Hände unter der schmalen Brust gefaltet, und ein Leuchten lag auf ihrem Gesicht, als sähe sie in eine strahlende Zukunft. Als ich mich zu ihr setzen wollte, sprang sie behende auf und wischte den Sitz meines Stuhles eifrig ab für den „Herrn“ Sohn.
Solche Mütter, wie die meine, sucht sich der Teufel aus, um sie durchs eigene Kind in den Staub zu ziehen.
Die Mutter wußte, daß der Abend nach der Prüfung den Kameraden und dem fröhlichen Kommers draußen auf der Milchinsel gehörte.
Rippenbraten und rohe Kartoffelklöße standen auf der Speisefolge und Erlanger Bier hieß der süffige Stoff, der unsere jungen Köpfe verdrehen sollte.
Die Mutter lag schon im Bett, als ich ihr um 8 Uhr gute Nacht wünschte. Sie hatte mir nie etwas in den Weg gelegt, wenn ich abends ausging, es kam selten genug vor. —
Damals richtete sie sich aus dem ersten Halbschlummer erschrocken hoch und rief angstvoll: „Och bliew doch to Hus!“
Ich lachte, wie man mit einundzwanzig Jahren lacht, wenn das Leben lockt und der erste überwundene Berg hinter einem liegt. Gab ihr noch einen ungewohnten, unbehilflichen Kuß auf den ergrauenden Scheitel und stürmte fort...
Um Mitternacht war mein Kopf wüst und heiß.