„Schreien Sie nicht, Doktorsche,“ raunte Fräulein Tingleff, die in weißer Nachtjacke und fünfundzwanzig Papierröllchen prangte, die von ihrem grauen Haar umwickelt, „pil in Enn’“ standen. „Wecken Sie meinen alten Verehrer drunten nicht auf. Sonst plagt ihn die Eifersucht, weil er meint, ich hätt’ ein Stelldichein. — Ich konnte heute nicht einschlafen und guckte zum Fenster raus und sah Sie unten mit einem Mannsbild techtelmechteln...“
„Verehrtes Fräulein, ich würde mich doch etwas korrekter ausdrücken!“
„Korrekter??? Direkter!!! Aha! Ich habe recht! Das Leugnen hätte Ihnen auch nichts genützt, ich nahm vorhin mein scharfes Opernglas, trotzdem der lange Sörensen gar nicht zu verkennen ist, wir haben nur den einen Gardisten in Birkholz.“
„Meinen Sie wirklich, ich hätte leugnen wollen?“
„Desto besser. Aber wir wollen hineingehen und noch einen Schnack im Zimmer machen. Auf der Treppe fürchte ich Dingelmanns. Die Dingelmännin sieht immer in den Leuten etwas anderes, als sie sind, sie könnte mich heute in der Nachtjacke für Madame Potiphar halten.“
„Fräulein Tingleff, es ist elf Uhr.“
„Da ich nicht taub bin, hörte ich bereits die dröhnende Rathausuhr. Und wenn Sie nicht zweimal mit Ihrem Sörensen um den Marktplatz geschlendert wären...“
„Auch das haben Sie gesehen?“
„Ich sehe alles, aber nicht mehr. Gott, Doktorsche, ich würde mich noch krummer freuen, als ich schon bin, wenn Sie den Mann kriegten. Sie sind das gescheiteste Mädchen in Birkholz.“