Dora Stavenhagen war blaß geworden. Und sie dachte still: „Ach, was du da schwatzest. Ich will meine tiefe, große Liebe umwerten in Segen für die Kinder an seiner Schule...“
„Wenn Sie so verträumt aussehen, Doktorsche, kann man Sie für Vierundzwanzig halten. Wie alt sind Sie eigentlich?“
„Ich bin sechsunddreißig.“
„Also ein Kücken gegen meine Zweiundsiebzig. Sagen Sie mal, was ist eigentlich im Lyzeum vorgefallen? Um das zu hören, habe ich Ihnen eigentlich aufgelauert. Frau Dingelmann, die ja selbst kinderlos ist, erzählte mir, sie habe von ihrem Dienstmädchen gehört, und das habe es wieder vom Provisor der Ratsapotheke, eine Menge Birkholzer wollten ihre Kinder aus dem Lyzeum nehmen, weil...“
„Nun weil?“ drängte Fräulein Doktor gespannt.
„Weil Direktor Sörensen irgendeine Schauderhaftigkeit oder Generaldummheit begangen habe.“
„O das ist schändlich!“
„So? Na, ich dachte mir’s schon, daß das Hühnergehirn des Provisors wieder mal Blasen getrieben habe. Wie der Herre, so’s Gescherre.“
„Die Dummheit ist von einer Lehrerin begangen worden...“