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Ostersonntag abend.
Heute habe ich einen rechten Osterspaziergang gemacht.
„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche...“, es war köstlich.
Und wie manche Tage grau in grau fließen, so war dieser klarblaue Himmelstag auch innerlich voll sonniger Schöne. Im Heideforsthaus hatte ich mir mein Mittagsmahl bestellt, denn Frau Dietz ist beurlaubt. Und kaum dort angekommen, sah ich von der Fahrstraße her eine vorsündflutliche Kalesche, eine wahre Kajüte, heranrollen, der mit steifer Grandezza das Original von Birkholz, Fräulein Tingleff, entstieg. Da die mir bis dahin unbekannte Dame lahm ist, sprang ich zu und half ihr. Da sagte sie mir mit sehr komisch wirkendem Ernst, daß ich ihr kein Fremder sei, da sie jede Nacht von mir träume. In der weitbauchigen Kutsche hatte sie noch Fräulein Doktor, Lore Hansohm und — Agnes Asmus verstaut. Frauen sind doch geborene Verschwörer, und in Klaus Hansohm hatten sie den dazu passenden Jesuiten gefunden. Da meine Mission so kläglich gescheitert war, wollten die Verbündeten wenigstens den kleinen Freundinnen ein schönes, gemeinsames Osterfest verschaffen. Hansohm stand im Garten und redete eifrig auf die Frau Försterin ein. Dann sah ich ihn ebenso eifrig am Fernsprecher und, — so konnten schon „das Grauchen“ und Sörine am Mittagsmahl teilnehmen. — Und die Frau Försterin kochte eine Stiege frische Eier, und du, alter Erne Sörensen, saßest eifrig mit Klaus Hansohm beim Färben, während die Frauen der Försterin halfen und den Kaffee kochten, den Tisch deckten und ihn mit Tannengrün und Wacholderreis schmückten. Und du warfst kühne Zeichnungen auf die Ostereier und schriebst Namen darauf, und Kollege Hansohm malte winzige Noten zu kleinen Liedanfängen...
Leise kam wieder die Jugend zu dir und kränzte dich, lockte und fragte...
Und du gabst dich ihrem Zauber hin an diesem lichten Frühlingstag, da der liebe Gott durch den Wald ging... Wie die frohen Kinder habt ihr dann mitsammen Ostereier gesucht. Ach, war das schön, Erne Sörensen!
Bis der fröhliche Abschied kam und die stille Besinnlichkeit. Nicht ein Wort habt ihr beide, Klaus Hansohm und sein Direktor, auf dem langen Heimweg gesprochen.
Ihr dachtet an zwei frohe, junge Menschenkinder. Das eine hielt in den schlanken Mädchenhänden die Zügel des feurigen Pferdchens und fuhr sicher das ihm anvertraute Grauchen vor das Herrenhaus zu Heidekamp.
Das andere hatte seinen müden Kopf an die Schulter des alten Fräulein Tingleff gelehnt und schlummerte wohl in der Urväterkalesche. Aber es durchträumte und durchlebte sicher noch einmal den strahlenden, liebewarmen Ostertag. Den ersten in seinem sonnelosen Kinderleben.