Sie nickte lebhaft. „Die müßte ihm aber schon der Koch Herrgott geben, an menschlichen Händen glitscht dieser Aal ab,“ gab sie zur Antwort.

Die allgemeine Unterhaltung war sehr lebendig geworden.

Nur Frau Kahl versuchte vergeblich, ihrem Partner Traute irgendein Gesprächsthema abzulocken, er aß und trank und schaute starr auf einen Fleck.

„Sehn Sie nur den Traute,“ raunte Hansohm. „Ich kenne diesen Blick. Er bereitet sich auf eine Rede vor, die er dann uns meuchlings versetzt. Sehen Sie, wie er maikäfert! Gleich wird er losburren. Burrrr! Surrrr! Hab ich’s nicht geahnt? Ich bin unhöflich genug zu sagen: Jetzt läßt er sein Nachtlicht leuchten!

„Meine Damen und Herren! Hochverehrter Herr Direktor. Werte Kollegen! Teure Freunde! Liebe Frau!“

„Warum er nicht noch sämtliches Getier in Wald und Flur mit heranzieht!“ flüsterte der unverbesserliche Hansohm, so daß ihm Sörensen mit dem Finger drohte.

Eine endlose Rede ging über die Zuhörer nieder. Voll Salbung und innerer Unwahrheit. Dora Stavenhagen stellte bei sich fest, daß der Direktor mit einem Male alt aussehe. Als sei es Jahre her, daß sie ein „kindliches Osterfest“ mit ihm gefeiert. Ein paarmal zog er seine Stirn in tiefe Falten, das war, als Traute mit schwülstigen Worten das „tadellose Zusammenarbeiten“ von Direktor und Kollegium betonte, sowie das „vorbildliche Einvernehmen des Kollegiums in sich“.

„Hört, hört!“ rief Hansohm unbedacht und verschärfte durch diesen Ausruf die Feindschaft zwischen sich und Professor Traute ins Ungemessene. —

Endlich machte der Redner Schluß, und noch in das erleichterte Aufatmen der Zuhörer hinein erhob sich der Direktor zu einer kurzen Entgegnung. „Was Herr Kollege Traute bereits als bestehend annimmt, die vorbildliche Einigkeit, das ist meine Hoffnung. Rechnen Sie immer auf mich, wo es gilt, sie lebendig zu machen.“

„Das war alles?“ sagte Frau Traute giftig zu Oberlehrer Kahl.