„Herr Oberlehrer Kahl, Sie werden mich immer unglücklich lieben,“ gab sie schlagfertig zurück.
Als sie eine halbe Stunde gekegelt hatten, trat Hansohm wieder zu Fräulein Doktor: „Kahl müßte sich wirklich etwas in acht nehmen. Seine hämischen Ausfälle gegen unsern Direktor fallen schon den harmlosesten Gemütern auf, — ich bewundere Sörensen, mit welcher gelassenen Ruhe er abwehrt. —“
Man spielte noch eine Weile, besuchte dann die Steingräber, über welche Erne Sörensen einen fesselnden Vortrag hielt, nahm im Wirtshaus noch einen einfachen Imbiß und freute sich auf den wunderschönen Heimweg durch die mondbeschienene Heide. Wie drohende Spukgestalten standen einige Riesenwacholder am Wege, und Klaus Hansohm erzählte schauerliche Sagen, so daß die beiden jungen Lehrerinnen oft schreckhaft aufschrien. Aber das fanden sie gerade entzückend.
Als sie sich vor Angst nicht mehr umzusehen wagten, verließ sie der herzlose Kumpan und gesellte sich seinem Direktor zu. Lachend ließ Fräulein Doktor die Furchthasen sich in ihre Arme einhängen und lotste sie gutmütig durch die gespenstische Heide. —
„Darf ich den undisziplinierten Ausspruch tun, daß Sie mir gar nicht gefallen, Herr Direktor?“ begann Hansohm. Er wußte, daß seine Freundschaft mit Sörensen solch freies Wort gestattete. Machte er doch nie ein Hehl daraus, daß er für Erne Sörensen durch Feuer und Wasser ging. Auch jetzt sah er mit unverhohlener Besorgnis in das müde Gesicht des so sehr Verehrten.
„Mein lieber Hansohm, ich gefalle mir selbst am wenigsten,“ entgegnete der Direktor. „Aber vielleicht haben auch mich Ihre Spukgeschichten geängstigt, die Sie unsern jungen Damen auftischten.“ Er lächelte schwach. „Ich leide heute an Ahnungen wie ein altes Weib.“
„O wenn es weiter nichts ist...“ Hansohm sah ihn freimütig an. „Ich glaubte vorhin wirklich, eine Krankheit stecke in Ihnen. Die hätte ich ja erst abwarten müssen, aber mit ‚Ahnungen‘ schlage ich mich gern gleich herum, wenn Sie befehlen.“
„Mein lieber, junger Freund, ich befehle gar nichts, aber ich bitte Sie, für die Dauer des Heimweges bei mir zu bleiben.“
„Wie wunderlich der Mann ist,“ dachte Hansohm, „wie müde er aussieht. Nun, ich bleibe neben ihm und sollte sich alles dagegen verschwören.“