Einmal versuchte Oberlehrer Kahl ihn wegzubeißen, aber Hansohm war bis an die Grenzen der Möglichkeit dickfellig, und ein warmer Blick Sörensens dankte ihm.

Kahl gesellte sich nun zu den jungen Lehrerinnen, und so wurde Fräulein Doktor frei, die sich an die Seite von Frau Asmus schlängelte, um unauffällig etwas über Agnes zu erfahren. Wie sie die Ferien verbringe, ob sie fleißig spazieren gehe, wollte sie wissen.

„Agnes ist als Erste in die erste Klasse versetzt, Sie haben sich gewiß sehr darüber gefreut, Frau Asmus.“

„Wir hatten gar nichts anderes erwartet, Fräulein Doktor,“ erwiderte Frau Asmus abweisend. „Mein Mann und ich haben Tag und Nacht mit unserer Tochter gearbeitet, um die Lücken, die ihr Kranksein gerissen hatte, wieder auszufüllen. Das konnte nicht ohne Wirkung bleiben.“

Fräulein Doktor fühlte, wie ihr wieder „Krallen wuchsen“. Aber sie durfte die Feindschaft zwischen sich und dieser Frau nicht verschärfen, wollte sie Agnes helfen.

„Darf mich Ihre Tochter einmal in den Ferien besuchen,“ fragte sie sanftmütig.

„Wenn ich sicher bin, daß sie niemand aus Heidekamp trifft...“

„Ja,“ entgegnete Fräulein Stavenhagen hart, und dachte innerlich voll Schmerz: „Also diese Aussicht ist dem armen Geschöpf bereits verlegt, — wie schaffe ich eine andere Freude?“

„Darf sie also kommen?“