„Ja.“

„Ich danke Ihnen, den Tag werde ich gleich morgen bestimmen und Agnes schreiben. Ich bin im allgemeinen dagegen, als Lehrerin die eigene Schülerin einzuladen, ohne doch Prinzipienreiter zu sein. Und Agnes gönnt jeder Mitschülerin eine kleine Bevorzugung, sie ist so ungeheuer beliebt durch ihre sanfte Herzensgüte.“

„So?“ entgegnete die Stiefmutter mißtrauisch. „Ich wünsche nicht, daß dem Mädchen Raupen in den Kopf gesetzt werden. Zu Hause merke ich nichts von Herzensgüte ...“

Fräulein Doktor lenkte ein, trotzdem der Zorn in ihr kochte. Aber die Zusicherung durfte auf keinen Fall rückgängig gemacht werden. Ein froher Nachmittag für das geplagte junge Mädchen war nie zu teuer erkauft. Sie kannte die schwache Seite der Frau Asmus. „Ich werde Agnes eine Menge Zeitschriften und Kochrezepte mitgeben,“ lockte sie.

Frau Asmus’ grämliche Mienen hellten sich auf. „Nun also ja.“

„Wenn es Ihnen am Dienstag passen sollte, da sind mein Mann und ich über Land bei älteren Leuten, die Agnes nicht mit eingeladen haben. Da könnte ich zuschließen und...“

„Licht und Abendbrot sparen,“ vollendete Fräulein Doktor bei sich, denn sie kannte den sprichwörtlichen Geiz des Ehepaares, der bei ihnen auch wirklich die Wurzel alles Übels war.

„Aber Agnes darf natürlich in keiner Weise stören...“

„Ich wüßte nicht, wie sie das anfangen sollte, das schüchterne Persönchen. Also Dienstag, ich weiß schon, daß ich an dem Tage nichts anderes vorhabe. Wann wollen Sie fortgehen?“