„Du hattest mir mit Handschlag versprochen, meinen Weg nicht mehr zu kreuzen,“ sagte Sörensen ernst.
„Ich brauchte Geld,“ entgegnete sie finster.
„Dann hättest du darum schreiben sollen. Und ich frage mich trotzdem, wie es möglich ist, daß du als alleinstehende Frau mit der großen Summe nicht auskommst. Es müßte denn sein, du seist viel krank gewesen. Ist dem so? Du siehst nicht gut aus, Lisette.“
Sie lachte kurz auf und hustete dann hohl und langanhaltend. „Erkältungen,“ sagte sie leichthin. „Hab mich nicht drum geschert. Die letzte ist hartnäckig und dauert nun schon bald ein Jahr. Aber das ist’s nicht. Na ja, ich bin kein Sparer, und ich hab mein junges Leben auch genießen wollen. Aber die Hauptsache sind meine Schwestern und deren Männer. Die saugen mich aus. Die ersten Jahre war’s ganz lustig mit ihnen, aber nun hab ich’s satt. Ich will nun wieder zu dir kommen, Erne...“
Eine tiefe Röte stieg in sein Gesicht.
„Dazu ist es zu spät,“ sagte er ernst. „Ich nehme dich nicht wieder auf. Du hast mich damals freiwillig und bis obenhin voll Schuld verlassen, wenn du auch durch zehn Jahre hindurch allen, die es wissen wollten, erzähltest, ich hätte dich um des Sterbens unserer Kinder willen verstoßen. Mein Haus bleibt dir verschlossen.“
„Ich lasse mich aber nicht von dir scheiden...“ warf sie trotzig ein, „und die Schwäger sagen auch, das sollt’ ich auf keinen Fall tun...“
„Laß jene Leute aus dem Spiel. Wir beide sind tiefer voneinander geschieden, als das Gesetz es tun könnte. Wenn du aber dein Versprechen fürderhin nicht hältst, Lisette, — so zwingst du mich...“
Er war aufgestanden. „Was hast du nun vor? Willst du nach Thüringen zurück?“
„Auf keinen Fall,“ entgegnete sie. „Dazu ist mir denn doch dein schönes Geld zu schade, daß es immer nur in die Taschen der Schwäger wandern soll. Ich bin dort heimlich ausgerückt und will nun nach Lüneburg. Da hab ich noch Freunde. Du brauchst dich nicht zu schütteln, Erne,“ lachte sie leichtsinnig, „’s ist nur ’ne alte Frau. Bei der will ich mich erst mal einmieten. Und will mich ordentlich auskurieren, so geht das nicht länger.“