„Tu das, Lisette. Geh zu einem tüchtigen Arzt oder in eine Heilanstalt, es soll dir an nichts fehlen. Aber heute nachmittag mit dem 3-Uhr-Zuge wirst du reisen. Wie kamst du gestern in das Heidewirtshaus?“
„Ich war in der Apotheke, um mir ein paar Hustentropfen zu holen, da erzählte es der Apotheker, daß die Lehrer vom Lyzeum einen Ausflug machten dorthin. Da glaubte ich, ich könnte dich eher sprechen als hier in der Stadt. Der Wirt hat mich auf seinem Wagen mit hingenommen, er mußte über Land. Schon als ihr ankamt, habe ich euch beobachtet. Die Häßliche, mit der du gingst,“ Lisette lachte, — „die sah dich arg verliebt an. Und wie du mit ihr schön tatest! Ist es deine Liebste?“
„Schweig!“ fuhr Sörensen auf. „O! Das ist deine Denkweise! Du weißt, daß ich nicht frei bin...“
Sie sah ihn erstaunt aus runden Augen an. „Wie du alles schwer nimmst,“ murrte sie dann. „So war es immer. Hätten wir uns doch nie gesehen!“
Er nickte düster. „Ich gehe jetzt, Lisette. Um drei Uhr bin ich am Bahnhof und bringe dir deine Fahrkarte. Auch das versprochene Geld erhältst du dort. Sei unbesorgt. Leb wohl, Lisette. Laß gut sein. Ich bin des Kämpfens müde. Laß uns ruhig, ohne Groll aneinander denken... Werde bald gesund! Leb wohl! —“ Er reichte ihr die Hand und ging mit schweren Schritten.
Unten bestellte er noch heißen Tee für sie und hinterlegte eine Summe für das, was sie noch verzehren würde. Jochen Timm dienerte unablässig und empfahl sein Hotel für alle vorkommenden Gelegenheiten.
Lisette Sörensen stand am Fenster und sah ihrem Manne nach. Und beobachtete, daß im gegenüberliegenden Hause auch drei Menschen ihm nachschauten und zwei davon die Hälse reckten und das dritte, ein zartes Mädchen, weinte.
Aber sie konnte sich den Zusammenhang nicht klarmachen. Überdies schüttelte sie wieder der entsetzliche Husten.
Sie tastete sich zum Sofa.
Und während sie sich dort von dem Krampf erholte, überdachte sie ihr unnützes Leben. Sie konnte sich bei aller Anstrengung wirklich keiner freundlichen Tat gegen ihren Mann besinnen. Und es sah ihm recht ähnlich, daß er ihr auch noch den heißen Tee heraufschickte. Wie höflich der Wirt zu ihr war.