Sie schlürfte begierig das heiße Naß und behandelte den unterwürfigen Jochen Timm von oben herab, bis er verärgert hinausging.
Und als sie recht durchwärmt war, empfand sie, daß sie eigentlich froh war, heute fortreisen zu können.
Und ihr Leichtsinn dachte nicht einen Augenblick daran, wieviel häßliche Steine sie aufs neue in den Weg von Erne Sörensen geworfen hatte.
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Als Fräulein Doktor am Nachmittage, der dem Ausfluge folgte, sich recht behaglich hingesetzt hatte, um bei dem Regen da draußen ein gutes Buch zu lesen, wurde sie durch ein hartes Stampfen oder Stoßen aufgeschreckt. Hinter der Mansardentür, die sie sofort öffnete, stand niemand. Aber das Stoßen hörte nicht auf.
Eine Weile versuchte sie noch zu lesen, dann legte sie das Buch ärgerlich hin, horchte noch einmal nach allen Seiten und ging dann die Treppe hinunter, um an der Tür von Fräulein Tingleff zu läuten.
Die alte, halbtaube Dienerin schlürfte heran und wies sie ins Zimmer. Auf dem festgefügten Mahagonitisch stand ein Stuhl und auf diesem das alte Fräulein mit einem Besen bewaffnet, den sie in regelmäßigen Zwischenräumen gegen die Decke stieß. Der Kalk war schon vielfach abgefallen und bedeckte den Tisch, das Sofa und den Teppich.
„Kommen Sie endlich, Doktorsche?“ rief Fräulein Tingleff ärgerlich. „Soll ich mir denn die ganze Zimmerdecke ruinieren?“
„Daß ich nicht wüßte,“ lachte die Eingetretene. „Was ficht Sie denn an? Konnten Sie nicht die alte Tine schicken?“
„Tine wird täglich tauber. Ehe ich ihr den Sachverhalt klarmache, bin ich längst auf den Tisch geklettert. Aber nun helfen Sie mir herab. Es war eine Leistung mit meinem lahmen Bein.“