„Den Hals konnten Sie sich brechen, Fräulein Tingleff. War’s denn so eilig?“

„Das Halsbrechen nicht, aber die Sache wohl, die ich Ihnen erzählen will.“

Sie saß noch immer auf dem Tisch, aber nun schob Fräulein Doktor das Sofa heran und lotste die Waghalsige auf die weichen Polster. Dann nahm sie ihr den Besen aus der Hand und fegte die Zimmerdecke zusammen.

„Was wird Dingelmann sagen,“ brummte Fräulein Tingleff mit vorwurfsvollem Blick auf Fräulein Doktor. „Ja, Sie haben gut lachen, Doktorsche. Aber wenn ich Ihnen alles erzählt haben werde, wird Ihnen vielleicht für alle Ewigkeit das Lachen vergangen sein...“

Dora Stavenhagen wurde nun doch aufmerksam und sah, daß die alte Dame arg verstört und bekümmert dreinschaute.

„Doktorsche, ich bin um ein paar Pfund Ideale leichter geworden.“

„Was ist denn geschehen?“

„Ich war heute um drei Uhr auf dem Bahnhof und da hab ich den Sörensen gesehen, unsern Sörensen, meinen Sörensen, wie er eine Frauensperson hofierte, eine junge, sehr hübsche, üppige, furchtbar gewöhnliche Frauensperson in Stöckelschuhen und durchbrochenen Strümpfen... Sie reiste ab und heulte wie ein Schloßhund.“

„Nun und was weiter?“ fragte Fräulein Doktor ruhig und nur um einen Schein blasser.