„Haben Sie irgendwelche Beweise, Herr Oberlehrer? So leicht gebe ich diesen alten Mann nicht preis. Jedenfalls nicht auf uferlose Anschuldigungen.“

Kahl zögerte einen Augenblick. „Ich könnte Ihnen bestimmte Tatsachen an die Hand geben, Herr Direktor... Noch von früher her,... würde dann freilich um strengste Verschwiegenheit bitten müssen...“

„Tatsachen? Herr Oberlehrer? Wie käme ich dann dazu, zu schweigen? Wenn Harks nicht der ist, der er scheint?“

„Hm! Es ist mancher nicht der, der er scheint...“ bemerkte Kahl, und nach einer längeren Pause: „Ich kann warten. Vielleicht brauche ich alte Geschichten nicht auszukramen, die neuen werden hoffentlich bald Klarheit schaffen.“

Der Direktor sah ihn forschend an. „Sie sind ein persönlicher Feind des Harks?“ fragte er schroff.

Persönlicher Feind? Was geht mich der Schuldiener an? Ich finde nur, er regiert ein bißchen zu selbstherrlich hier, — seit einiger Zeit. Schaden kann’s nicht, wenn ihm der Kamm etwas abschwillt. Aber wie gesagt, aus dem Amte möchte ich ihn nicht bringen... ich würde da noch einmal vorstellig werden...“

„Herr Kollege, ich gestehe, daß ich aus dem Ganzen nicht klug werde...“

„Noch eins, Herr Direktor. Es ist Ihnen doch sicher bekannt, daß Bertha Ehlen aus der dritten Klasse die Nichte von Harks ist? Sie stand schon einmal im Verdacht, lange Finger gemacht zu haben, da verwandte sich der ‚Onkel Harks‘ für sie...“

„Es konnte dem Kinde durchaus nichts bewiesen werden,“ fiel Sörensen heftig ein. „Harks bat mich nur, seine Nichte vor Anpöbelungen einiger Mitschülerinnen zu schützen, er selbst war überzeugt von der Unschuld seiner Schwestertochter.“