„Herr Direktor, darf ich heute nachmittag noch einmal in Ihre Privatwohnung kommen?“ Der alte Mann hatte sich aufgerichtet und strich verlegen und mit müder Handbewegung über sein graues Haar. Seine sonst so rauhe, polternde Stimme klang wie erstickt. „Es muß sein, Herr Direktor, — ich möchte Sie um Gottes willen drum bitten, daß ich ein Stündchen mit Ihnen sprechen könnte.“
Der Direktor reichte ihm die Hand. „Ich erwarte Sie um drei Uhr, Harks,“ sagte er einfach.
„Herr Direktor — wenn Sie mal einen Menschen suchen, der — für Sie...“ Dem alten Mann brach die Stimme.
„Gehen Sie, lieber Harks. Ich tat nur Selbstverständliches. —“
Nachdem er wieder allein, blieb Sörensen eine Weile nachdenklich stehen. Dann ging er mit seinen ausholenden Schritten nach der dritten Klasse zurück.
„Bertha Ehlen wird nicht wiederkommen,“ sagte er ernst zu den Kindern. „Damit ist die Sache erledigt. Es ist natürlich ein sehr trauriges Vorkommnis gewesen, das sich hoffentlich nicht wiederholt.“
„Und Harks?“ fragte Oberlehrer Kahl lauernd. „Der Hehler ist doch wohl...“
„Ja, liebe Kinder, das wollt’ ich euch noch sagen,“ fuhr der Direktor fort, „Herr Harks ist tief betrübt über das Vergehen seiner Nichte. Ich hoffe, ihr seid alle recht freundlich zu ihm und seiner braven Frau. Ja? Ihr wißt, die beiden richten trotz ihrer Kränklichkeit euch alles immer so sauber und behaglich her. Ich habe also euer Versprechen und verlasse mich darauf. Guten Morgen, Herr Kollege.“ —
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