An diesem Mittag war Frau Dietz gar nicht zufrieden mit ihrem Herrn. Er gab ja, Gott sei’s geklagt, überhaupt viel zu wenig aufs Essen und Trinken und seinetwegen konnte man jeden Tag dasselbe kochen. Aber so zerstreut wie heute hatte er doch lange nicht gegessen, und Frau Dietz beschloß, das Zungenragout und die Bananenspeise nur noch in den Ferien auf den Tisch zu bringen, wenn das nötige Interesse für das, was dem Menschen Leib und Seele zusammenhält, vorhanden war. Heute rannte ihr Herr gleich nach dem Mittagessen wie gejagt in die Heide hinein und kam nicht einmal erfrischt von dort wieder. Das sah man seinen traurigen Augen an. Und nun begann gleich die Arbeit wieder, Schulwart Harks hatte Punkt 3 Uhr den Herrn um eine Unterredung gebeten. —
„Nun, Harks, was wünschen Sie denn?“ fragte Sörensen freundlich und harmlos. Und gleich darauf: „Aber, lieber Herr Harks, — ich bitte Sie, Sie machen sich ja krank. Schließlich ist doch Bertha Ehlen nicht Ihr eigen Fleisch und Blut...“
„Herr Direktor,“ — ein gramdurchfurchtes Gesicht sah zu Sörensen auf, — „ich möchte mich heute ganz in Ihre Hand geben, — — in die Hand eines Ehrenmannes,“ setzte er hinzu.
„Und wenn mich Herr Direktor verwerfen, dann will ich mein Kreuz auf mich nehmen und es willig tragen. Aber so...“
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
„Erleichtern Sie Ihr Herz, lieber Harks, und was das Verwerfen anbetrifft, so bin ich nicht der Mann danach. Wir mangeln allzumal des Ruhmes. Und nun setzen Sie sich, — ich höre zu.“
„Herr Direktor, mit dem Bibelspruch von den Sündern, da denken nicht viele so. Es macht mir rechten Mut, daß Sie so sprechen.“
Trotz dieses rechten Mutes saß aber der alte Schulwart arg zusammengedrückt in dem Lehnstuhl, und seine Hände zitterten.
„Herr Direktor, — der Herr Oberlehrer Kahl will mich verderben!“
„Harks, — was sprechen Sie da?“ rief Sörensen erschrocken. Aber sein Herz setzte hinzu: Du armer Mensch, du magst wohl recht haben. —