Da gab ich ihr zu bedenken: „Keine Sorg um den Weg, wenn zwei sich nur gut sind, sie treffen sich doch.“
„Ja, Liebesleute,“ sagte sie harmlos und eifrig, „aber nicht so zwei arme Schächer, wie Agnes und ich.“
„Arme Schächer! Wie das klingt! Sie sehen mir auch gar nicht so aus, Sörine Heidekamp.“
Da traf mich ein jammervoller Blick aus ihren Augen.
„Es ist nicht leicht zu leben,“ sagte sie mit wenig fester Stimme. „Ich soll dem Großvaterli viel Sonne geben, und alle die Armen und Bresthaften in unserm Dorf wollen auch mein Lachen. Wo soll ich’s immer hernehmen? Wenn ich doch soviel Heimweh nach meiner Agnes habe? Und die Heide schläft auch noch. Wenn sie erst blüht, dann kann ich ihr viel klagen.“
„Du liebes Kind“, dachte ich. „Du liebes Kind, sprich weiter. Neben dir schreitet auch einer, der das Herz voll Heimweh hat, und weiß nicht einmal, wonach. Oder weiß ich es doch.... und darf’s dir nur nicht sagen, du junges, liebliches Kind?“
Ganz still gingen wir nebeneinander her.
Der unbeschreibliche Friede, den Wald und Heide ausatmeten, senkte sich auf uns herab.
Als das Forsthaus wieder nahe kam, stahl sich eine warme, junge Hand in die meine: „Ich danke Ihnen so sehr, Herr Direktor. Sie haben mir eben eine ganz lange Geschichte erzählt. So wandre ich auch immer mit Großvaterli.“
Klein Sörine, ich verstehe jetzt, warum du solch Einsiedler bist und alles Jungvolk ablehnst. Wer so zu wandern versteht.... Lebenskünstler seid ihr beide, du und das Großvaterli. —