„17 Jahre.“

„Haben Sie schon einen Beruf im Auge?“

„Dichter und Dramaturg“, sagte er großartig. Und da ich ihm freundlich zunickte, schien sein Vertrauen ins Ungemessene zu wachsen.

„Herr Direktor,“ begann er zutunlich, „ich will es gern gestehen, daß ich in „wahnsinniger Depression“ zu Ihnen kam. Mein Herz war ein Abgrund.“ Er seufzte. „Aber nachdem ich den Gymnasialdirektor kennen gelernt, dünken Sie mich eine großangelegte Natur zu sein.“

Ich verbeugte mich geziemend.

„Herr Direktor, ich bin auf das Schnödeste von meinem Direktor behandelt worden, .... ich — ich weiß mir keinen anderen Ausweg, als ihn... zu fordern.“

„Dierks! Mensch! Was ficht Sie an?“

„Jawohl, Herr Direktor. — Hätte Telse Lüders zu mir gehalten, — meinen Schwiegervater würde ich ja niemals fordern, — aber sie hat mich unerhört im Stich gelassen. — Es bleibt mir keine Wahl. Wollen — wollen Sie mein Kartellträger sein???“

Ich schluckte und hielt den Atem an, daß ich gewiß blaurot im Gesicht wurde. Aber es half nichts. Als ich ihn so dastehen sah, den blonden unbedarften Jungen mit seinem von Finnen und Pickeln gesprenkelten Gesicht, jeder Zoll ein Held, in der Stellung eines Marquis Posa: „Sire, geben Sie Gedankenfreiheit“, — da lachte ich schließlich so erschütternd und befreiend, daß mir die Tränen übers Gesicht liefen.

Erst sah mich der Junge durchbohrend an, und dann — fing er an zu weinen. Und nun nahm ich ihn mir ganz väterlich-brüderlich — freundschaftlich vor und er beichtete: Daß er immer „Vieren haue“, daß er am Reifezeugnis verzweifle, daß Telse versprochen habe, ihm zu folgen, sobald sein Drama „Zerschlissene Weltschmerzen“ den verdienten Bombenerfolg errungen, daß aber die rohe Gewalt ihres Erzeugers den Sieg über ihr schwaches Herz davon getragen.....