So kam es, daß das Grab der jungen Dulderin Lore Hansohm immer mit den schönsten Blumen geschmückt war. Und war gar nicht traurig anzuschaun, sondern so fröhlich, siegesfreudig und zukunftsgewiß wie die lieblichen Geschichten ihres Bruders Klaus. Der ging jeden Abend auf den stillen Heidefriedhof. Und mußte immer für seinen schlichten Strauß einen Platz erst frei machen, so viel Kinderhändchen waren vor ihm bei dem stillen Hügel tätig gewesen, um ihm ihre dankbare Liebe zu beweisen.

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Sonntag abend.

Die Heide blüht. —

In diesen drei Worten liegt ein Erleben.

Die Heide blüht.

Kann der von „leben“ sprechen, der dieses Gotteswunder nie ersah?

Mir war heute zumute wie im Wonnemonat Mai, da alle Knospen sprangen. Die abertausend Blütendolden läuteten meinen Frühling ein. Ich pflückte mir voll inneren Jubels einen Riesenstrauß. Heid und Wacholder und goldgelben Ginster und große tiefblaue Vergißmeinnicht .... Wie Sterne waren sie anzuschauen.... Wie zwei bekannte Kinderaugen....

Und ist doch Spätsommer. Närrischer alter Sörensen mit dem ergrauenden Haar an den Schläfen. —

Mit dem Skelett im Hause, das auf allen Wegen auftaucht und grinst. Mit der nie versiegenden Sorge: „Was kommt nun? Welche Häßlichkeit wird den Boden unter den Füßen dir vollends lockern?....“