Sie entlief oft tagelang dem „langweiligen“ Manne, den „langweiligen“ Kindern, der „furchtbaren Öde“ der großen Heide.

Sie vergnügte sich in der nahen Stadt, fand Freundinnen und Versucher...

Ich wachte erst aus meiner Vater- und Kinderseligkeit auf, als Pastor Verden mich gewaltig rüttelte. Er nannte die Dinge, wie das Dorf sie besprach...

Bis ins Herz erschrak ich.

Und zwang mit eisernem Willen die junge, pflichtvergessene Mutter in mein Haus.

Es wurde zur Hölle für uns alle.

Nur eine hielt dieser Hölle stand. Sie war die verkörperte Liebe. Sie betreute das Haus, die Kinder, mich selbst, ja auch um die mürrische, zänkische Schwiegertochter warb sie täglich aufs neue. Nimmermüde war das Mutterchen. Ich selbst lief allein oder später mit meinen Buben in die Heide.

Lieben und verstehen lehrte ich sie die unendliche Weite und Stille. Die rote Blütenpracht im Sommer wurde ihnen zum Himmelsteppich, und alle Blumen der Welt reichten nicht heran an Holler und Ginster.

Mit drei Jahren sprachen die Knaben ein reines gutes Hochdeutsch, und mit dem „Grodeli“, wie sie die Großmutter nannten, „snakten sie Platt“.

Meine Buben waren mir alles und ersetzten mir alles, woran sonst ein junger Mensch sein Herz und seine Sinne heftet. Ich lachte, tollte, lernte und spielte mit ihnen, und wenn sie mir ihre Händchen hinhielten und ernsthaft meine Koseworte wiederholten: „Ja, Erne, wir sind zusammengeßmiedet“, dann dünkte ich mich der Königssohn im Märchen. —