Nun rasch weiter und zu Ende.
Es war Schützenfest in der Kreisstadt.
Lisette war in fieberhafter Aufregung. Sie erzählte sogar den beiden Kindern von all den verlockenden Schaubuden, von Karussels und Löwen und drolligen Affen.
Die aufgeweckten Bübchen horchten erstaunt und erfreut, die Mutter war so selten freundlich mit ihnen.
„Laß mich doch mit den beiden hin!“ drängte Lisette. „Die Kinder werden ja hier ganz überspönig, sie müssen einmal unter andere Kinder. Ein großer Umzug mit brennenden Laternen soll da sein, — ich hab’s der Frau Diedrichsen so gut wie versprochen.“ —
Lehrer Diedrichsen war mir ein unlieber Kollege, seine Frau als Freundin für Lisette durchaus ungeeignet. Ich schüttelte den Kopf, ein zorniger Blick traf mich.
„Grad als ob mir die Kinder nicht auch gehörten,“ schrie sie mich an. Da fingen Erne und Jens an zu weinen, und ich trug sie hinüber zur Großmutter, damit ihre jungen Augen nicht das entstellte Gesicht der Mutter sehen sollten und das furchtbarste Schauspiel für Kinder: Uneinigkeit der Eltern. Dann ging ich zurück zu Lisette und versuchte noch einmal mit Freundlichkeit und Ruhe ihr meine und ihre Stellung klarzulegen.
Daß ein Lehrer würdigere Freuden kennen müsse als den Jahrmarkt in der fremden Stadt, und daß es einfach unsere Verhältnisse nicht erlaubten, das Geld so unnütz hinzuwerfen. Und die Kinder, die jungen zarten Knaben im Gewühle eines solchen Umzuges!
Sie tobte, aber ich blieb ruhig und fest.
Andern Tags hatten beide Bübchen starkes Fieber. Es war ein kalter, häßlicher November.