In Sörinens Mädchenstübchen lag die tote Freundin. Man hatte sie mit einem weißen Tuche zugedeckt, aber Erne Sörensen zog es zurück und schaute still in das bleiche Antlitz. „Schlaf wohl“, sagte er nur, und dachte: Es stirbt jung, wen die Götter lieben. Dann hüllte er sie wieder ein und legte nun seine große Hand auf Sörinens Schulter. Sie rührte sich nicht, und er rüttelte sie sacht.

Da sah sie auf. War dies in Jammer versteinte Gesichtchen das seiner jungen Schülerin?

„Sörine!“ rief er erschüttert.

Da wachte Sörine Heidekamp auf und erhob sich. Aber sie schien nicht mehr zu wissen, daß sie dem einst so verehrten, älteren Lehrer gegenüberstand: „Gehen Sie fort“, gebot schneidend der junge, blasse Mund. „Wir haben Tage und Tage auf Sie gewartet, die Agnes und ich. Weil Sie es mir versprochen hatten. Nun ist es zu spät.... Und nun ist mein Vertrauen tot, wie meine Agnes. — Gehen Sie aus meinem Stübchen fort.....“

Direktor Sörensen straffte sich zu seiner ganzen Goliathhöhe auf.

Jeder Blutstropfen war aus seinem Gesicht gewichen.

„Du vergißt dich, Sörine von Heidekamp“, sagte er laut und hart.

Dann ging er mit schweren Schritten hinaus. —

**
*