Weit draußen in der stillen Heide wurde ein erbitterter Kampf gekämpft. Aber niemand sah ihn als das Hünengrab, überwuchert von Ginster und Zinnkraut. Im rotbraunen Heidekraut lag Erne Sörensen und dünkte sich weidwund.....

Einen Traum begrub er, — von einem Schemen nahm er Abschied... Und doch verdichteten sich Traum und Schemen immer wieder zu einem trotzigen, schönen, ach so lieben Mädchengesicht.

Voll tiefer Bitterkeit überdachte er sein liebeleeres Leben. Dachte an seine zweiundvierzig Jahre, die er schier vergessen hatte. Dachte, wie herb es schmerzt, wenn Jugend zur Jugend strebt — — über ein reifes Mannesherz und dessen zages Hoffen hinweg. Dachte an einen jungen Raben, den er sich einst zum Lebenskameraden hatte zähmen wollen und der ihm dafür den Finger zerhackt hatte und dann undankbar davongeflogen war...

Ein ungewohntes, heißes Naß stahl sich aus seinen Augen und rollte ihm über die Wange. Hastig und zornig verwischte sein Handrücken die verräterischen Spuren.

Und hastig und zornig nahm er Abschied von dem Stein aus grauer Vorzeit, von Holler, Ginster und Wucherkraut und der Heide, die alle Zeugen gewesen waren, daß er um ein jung-junges dummes Mädel geweint. — —

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Alter Foliant, ist es nicht beinahe lächerlich, daß ich dich heute nach vier Jahren aus den Tiefen meines tannenen Sekretärs hervorhole?

Daß ich plötzlich an dich denken muß und mich bis zur Erde bücke, um deiner im untersten Fache habhaft zu werden?

Da, wo du lagst, standen früher die neuen fertigen, festen Bauernschuhe, die Vater seinen Kunden gebaut hatte. „Schick mir den Schrank, Mutter,“ schrieb ich vor vier Jahren, „er steht unbenutzt und verstaubt bei dir auf dem Oberboden, und ich brauche einen Sarg für vieles, was deines Sohnes Leben beschwert.“ — Da wurde der Schrank aus meinem Heidedorf abgeschickt, und ich packte in seine schier unergründlichen Tiefen eine ganze Welt hinein. Dazu gehörtest auch du, mein alter Foliant. „Dann knüpfen ans fröhliche Ende den fröhlichen Anfang wir an“, heißt es im Liede. Wenn es früher meine Kommilitonen sangen, mußt ich mich immer zusammenreißen, denn es gab bei mir in der Erinnerung nirgends ein fröhliches Ende und weit und breit keinen fröhlichen Anfang. Und nun habe ich plötzlich aus meinem inneren Heimweh heraus wieder einen Anfang gefunden und schon eine ganze Seite geschrieben. Die Schwatzhaftigkeit des Einsamen.

Was schrieb ich vor vier Jahren zuletzt in dich hinein?