Er ist in die Nähe von Lüneburg gezogen, wo er ein Haus besitzt. Dann und wann fliegt eine Karte hinüber und herüber mit warmen Grüßen. An Stelle von Klaus Hansohm ist Lehrer Hans Visser getreten, ein guter Christ, aber schlechter Musikant. — Klaus Hansohm, ich vermisse dich sehr, und dem Singsaal fehlt die Sonne. —
Fräulein Doktor wird von einer sehr tüchtigen Oberlehrerin jüngeren Schlages vertreten. — Die Abneigung gegen Fräulein Nissen hat sie mit übernommen und vertritt dieses Recht der Abwesenden am eifrigsten. — Mit Kahl ging der größte Hetzer dahin. Die Nachwehen seines bösen Wirkens spüre ich bis auf den heutigen Tag. Aber beugen wird er das Recht nie. Und ich gehe aufrecht durch den Schmutz, den er aufwühlte auf meinem Wege und trete auf die Steine, die er planlos hinterher warf. — Wie sagte mir Dr. Hofer? „Die guten Gedanken Ihrer Schulkinder werden eine Mauer um Sie bauen....“ Das ist ein rechtes Wort. Und ein rechter Mann hat’s gesprochen. Ein Lehrerfreund. — Seltsam fremd und unbekannt mutet dieses Wort an. Kinder- und Menschenfreunde, gottlob, sie sind nicht karg gesäet, aber Lehrerfreunde? Das Schicksal vergaß diesen Acker zu bestellen, und als die Erntezeit kam, lag er brach....
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Agnes Asmus ruht unter Ginster und Heide auf dem Dorffriedhof in Heidekamp. Auch nicht der Toten vermochte ich es anzutun, sie noch einmal in das Dunkel der Galgenstraße tragen zu lassen und von dort auf den neuen, baum- und reizlosen Gottesacker von Birkholz.
Von den Eltern Asmus wurde nichts in den Weg gelegt. Die Stiefmutter wich mir scheu aus. Und Lehrer Asmus hat einen Schlaganfall erlitten. — Da sehe ich nun seit einiger Zeit ein seltsam Bild. Ich hatte Blumen auf den Hügel meiner einstigen Schülerin gelegt und wollte durch die Heide heimwandern. Da fuhr der Heidekamper Kraftwagen vor die Friedhofspforte, und ich verbarg mich hinter der alten Kirche. Und sah, wie Lehrer Asmus, auf den Arm der jungen Sörine gestützt, langsam und kümmerlich den schmalen Steig entlang humpelte. Wie schwer der Kranke ihr am Arme hing! Wie sorglich das große, schlanke, schöne Mädchen den Hilflosen betreute! Wie gütig die trotzigen Blauaugen leuchteten! Und ihre Stimme, die der Wind zu mir trug, klang weich und mitleidig tröstend.
Und war doch der Lehrer Asmus, der sein Kind, ihre Freundin, in den Tod getrieben....
Aber er hatte nie der jungen Sörine sein Wort gegeben und es dann nicht gehalten....
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Von meiner Mutter habe ich selten, aber immer gute Nachricht. Habe sie auch im letzten Hochsommer besucht und mit ihr in der Heideschönheit meiner Heimat gesessen. Das waren Tage voll unerhörter Pracht und blendenden Glanzes für mein unverwöhntes Altchen. Und sie merkte es gar nicht, daß sie die Gebende war.