Köstlich war’s, in der Heide zu ihren Füßen zu liegen und den alten Märchen zu lauschen. Mich spann ihr Zauber so völlig ein, daß ich Essen und Trinken vergaß.

„Du groten Jung! Du büs doch ock keen büschen anners, as din Vadder selig.“

Das mußt ich oft von ihr hören.

Sie hatte es am liebsten, die alte Mutter, wenn ich längelang in der Heide lag, ganz versteckt in den dichten, roten Blüten, daß nur mein Haarschopf hervorsah, durch den sie dann und wann liebkosend mit den weichen Runzelhänden fuhr. Wenn ich aufsprang, oder nach meiner Gewohnheit hin und her lief, dann war ich ihr zu groß, zu sehr der Riese Goliath, der daheim im Stübchen ihr sämtliches winziges Gewese mit Umwerfen bedrohte. Und wenn ich ihr etwas erzählte, dann bestaunte sie mein fremdartiges Sprechen und meine Ausdrücke, ich war, ohne daß ich’s wollte, mit einem Male der „Herr“ Sohn. So schwieg ich lieber und war wieder ihr „Jung“ und lernte von ihr. Kann man der Weisheit müde werden, die aus einem einfältigen Mutterherzen quillt?

„Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder......“

Nun, ich war wahrlich wie im Himmelreich bei ihr, der Trauten, der Treusten.

In der Dämmerstunde, da wurde sie immer etwas unruhig.

Gerade wo sie früher am beschaulichsten geschafft, und still auf der Ofenbank gesessen hatte, oder in der Werkstatt neben dem Vater. Jetzt merkte ich’s: sie will dir etwas sagen. Die Dämmerstunde ist dazu gut, denn ihr Schleier verdeckt die unbequemen, scharfen Augen des „groten Jung“, die Einhalt gebieten könnten. Und doch hattest du nicht den Mut, kleine, furchtsame Mutter. Das machte dich unruhig und trieb dich umher.

Ei, ich weiß wohl, was du fragen wolltest: „Erne, mein Jung, willst du immer einsam bleiben? Erne, mein Jung, ich möchte eine Tochter liebhaben, und weiche Kinderköpfchen in meine Großmutterhände fassen.“