Und mit einem Radau ohnegleichen geht die zweite Klasse von der geistigen Entwicklung zur leiblichen, zur Frühstückssemmel, über.

Fräulein Nissen rast ins Lehrerzimmer.

Hier ist vorläufig nur die wortkarge, mit trockenem Humor begabte Oberlehrerin Fräulein Dr. Stavenhagen anwesend. Sie schlürft eine Tasse Kakao und mustert über den Rand ihrer Tasse hinweg die Auf- und Abrennende.

„Was fehlt Ihnen, Nissen?“ fragt sie.

Fräulein Nissen haßt Verschiedenes auf dieser Welt, darunter auch die Eigentümlichkeit der Kollegin, sie mit dem Nachnamen anzureden.

Aber sie weiß, daß es nichts nützt, wider den Stachel zu löcken, und so entschließt sie sich zur raschen Antwort: „Die zweite Klasse ist noch mein Tod.“

„Das begreife ich nicht, Nissen. Ich würde der Bande gar nicht den Gefallen tun, mich durch sie töten zu lassen. Aber abgesehen davon, — Nissen, können Sie wohl ruhig bleiben, wenn ich Ihnen sage, daß mir diese verlästerte Zweite die liebste von allen Klassen ist?“

Nein, bei so einer hirnverbrannten Rede konnte Fräulein Nissen nicht ruhig bleiben. Sie schlug eine nervöse Lache auf und verdoppelte ihre Renngeschwindigkeit.

„Ehe Sie sich aber auf den Schragen ärgern, Nissen, lassen Sie sich von mir die Rockborte annähen, es macht sich würdiger im Sarg.“

„Fräulein Stavenhagen — — —!“