„Mit dem Recht, mit dem ich zwanzig Jahre lang die erste Klasse geführt habe.“

„Mit dem einundzwanzigsten Jahr fängt aber mein Recht und meine Klasse an,“ trumpfte Fräulein Stavenhagen.

„Spielen wir also mal meine Klasse, deine Klasse,“ lachte der junge Gesanglehrer Hansohm und seine Hände ahmten das Hasardspiel nach.

„Zum Ulken sind wir nicht hier,“ verwies ihn Oberlehrer Kahl.

Er kehrte mit Vorliebe den akademischen Standpunkt heraus und liebte es überhaupt nicht, wenn „Seminaristen“ sich einmischten.

„Worum es sich handelt?“ wandte er sich an die Oberlehrerin. „Seit zwanzig Jahren steht die erste Klasse auf, wenn ich herein komme, seit zwanzig Jahren sagt sie langsam, laut und deutlich ‚Gu—ten — Mor—gen, — Herr — Ober—lehrer — Kahl‘ und jetzt kommt dieser — — dieser — —“

„Seminarist,“ rief Lehrer Hansohm boshaft dazwischen.

„Dieser Herr Direktor,“ vollendete Kahl, „und führt Neuerungen ein.“

„Wir sitzen ja auch gottlob nicht mehr in der Arche Noah, sondern im neuen Lyzeum.“ Fräulein Doktor sprach sehr energisch. „Und da die erwachsenen Mädchen in der ersten Klasse Stühle und Tische bekommen haben, so ist’s wie eine Erlösung, daß sie sich das Aufstehen endlich abgewöhnen. Man kann auch Haltung zeigen ohne aufzustehen und Lächerliches zu plärren.“