Als er schließlich von „Unlauterkeit“ sprach, der ein Lehrer Vorschub leiste, stellte ich mich auf Hansohms Seite, mit mir die anderen, mit Ausnahme von Professor Traute, Fräulein Nissen und Lehrer Asmus.
Letzterer auch so ein Scharfmacher.
Er führt die neunte Klasse als Ordinarius. Vertrat neulich Hansohm in der siebenten Klasse in Deutsch. Hansohm hat die Kyffhäusersage behandelt, und Asmus las ihnen in jener Vertretungsstunde das Gedicht vom Kaiser Rotbart vor. Wie er den Bart schildert, der durch den Tisch gewachsen ist, erhebt sich Lottchen Binnebom und ruft: „Das glaub’ ich nicht.“
Diesem „Fall“ ist Asmus nicht gewachsen gewesen. Und, Gott sei’s geklagt, die große Mehrheit im Kollegium heute besprach die Sache mit einer Ernsthaftigkeit und Bedenklichkeit, daß ich mich ein paarmal versucht fühlte, sie mit den dicken Köpfen zusammenzustoßen.
Der Humor scheint keine Hüsung im Lyzeumsgebäude zu haben, ich will nicht hoffen, daß er überhaupt außerhalb von Birkholz wohnt.
Jedenfalls aber sah ich heute Hansohm, wie er Lottchen Binnebom an der Hand führte, und nach den vertrauensvollen Augen der kleinen Zweiflerin zu urteilen, hat sie längst die rechte Antwort bekommen.
Morgen will ich meine Besuche in der Stadt machen... Harks erzählte, die Frau Apotheker Dahlen habe dazu neue Gardinen aufgesteckt. Da sich Harks augenscheinlich selbst geehrt fühlte, unterließ ich jede Bemerkung. Diese Besuche quälen mich.
Bis jetzt durfte ich einsam sein. All die Jahre hindurch. Köstlich einsam. Und nun bringt mir das neue Amt den herben Zwang.
Sonntag abend.
Diese Sonntage sind etwas unbeschreiblich Schönes in Birkholz.