Aber die Frau Bürgermeister mußte doch noch einen Trumpf ausspielen: „Ja, so brav war die Lisbeth Harks, daß sie ins Wasser ging.“

Fräulein Tingleff bekam einen roten Kopf und die kleinen, scharfen Augen sprühten Blitze. Deshalb legte sich die Wirtin ins Mittel und rief: „Sie wollten doch vom Direktor erzählen...“

„Na ja,“ fing nun die Doktorin wieder an, „Fräulein Nissen sagt, das Lehrerkollegium sei direkt in zwei Hälften geteilt, pro und contra. Fräulein Dr. Stavenhagen und Lehrer Hansohm schwören ja auf die neue Leitung, und es habe sich infolgedessen eine einfach lächerliche Freundschaft zwischen Herrn Hansohm und Fräulein Doktor gebildet, — guter Gott, ich will nichts sagen, — sie könnte ja wohl beinahe seine Mutter sein, aber...“

„Sie ist jeden Tag in seiner Wohnung...“

„Herr Hansohm hat eine kranke Schwester,“ sagte die mitleidige Stimme der Frau Postdirektor Hagedorn.

„Schwester hin, Schwester her,“ fiel Frau Dingelmann ein, „meine selige Mutter pflegte immer in solchen Fällen zu sagen. ‚Beten werden sie nicht miteinander‘.“

„Sehr richtig.“

„Direktor Sörensen ist auch ein paarmal bei diesen Sitzungen dabei gewesen,“ ließ sich die Frau Apotheker wieder vernehmen, „irgendwo muß er ja auch seine Abende zubringen, da er das Gegebene, den Stammtisch in der grünen Birke, zu verschmähen scheint.“

Die Bürgermeisterin war eben im Begriff, sich den Pudding zu Gemüte zu führen, aber da es ein unpraktischer Beberlottchen- oder nervöser Pudding war, der immer auf dem Teller hin und her glitschte, lief sie Gefahr, ihr Grauseidenes zu besegnen. So setzte sie den Teller wieder auf den Tisch und sprach erst mal in sittlicher Entrüstung die vernichtenden Worte: