Sörensen zwang Blicke und Gedanken wieder zu seiner Arbeit. Da war Evchen Siemensen aus der zweiten Klasse, ein hochbegabter Fludribus, und da war Lena Weiß, die unfähig war, selbst ein minderwertiges Zahnpulver zu erfinden, aber fleißig und gewissenhaft, beide gleich unwert nach ihren Leistungen in die erste Klasse versetzt zu werden. —
Und doch hätte er beide sympathische Kinder so gern mit hinübergetan. Evchen konnte sich mit Fräulein Nissen nicht vertragen, — wenn er sie Ostern übernahm und mit einer kräftigen Standrede nachhalf, würde das kluge Ding vielleicht die Leuchte der ersten Klasse. Und Lena? Ihr Fleiß verdiente eigentlich nicht, daß man sie sitzen ließ.
Er überlegte.
„Herein!“
Denn er meinte, es könnte geklopft haben, wenn es auch nur ein zaghafter Finger getan haben konnte.
Jemand schob sich herein, blieb an der Tür stehen und rührte sich nicht.
Sörensen schrieb seinen Satz zu Ende und trug noch ein paar Zahlen in sein Buch: „Nur immer näher einstweilen. Wer ist’s? Eine Schülerin? Was willst du?“
Keine Antwort.
Er löschte die Seite des Buches ab, nahm die Schreibbrille von der Nase und mußte noch umständlich die andere scharfe, goldene Brille putzen, denn ohne sie war er ein „armer Stackel“, wie er selbst immer lachend versicherte.
„Nun? Bekomme ich keine Antwort?“