„Kind, ich muß sagen, ich versteh dich nicht. Es geht doch eigentlich nicht, daß du so aus der Stunde läufst...“ Er sah nach dem Plan. „Fräulein Nissen. Ich will sie mal fragen...“

Bitte, bitte nicht.“ Sörensen hatte noch nie eine so gequälte Stimme gehört. Er besann sich einen Augenblick, dann nahm er den Hörer von seinem Tischapparat, und ließ sich mit Heidekamp verbinden. Als das Gespräch beendet war, stand Sörine immer noch auf derselben Stelle.

„Das geht doch nicht, Sörine, Kind, — ich sorge mich um dich. Bist du nicht auch ein kleiner Dickkopf? Was fängt man nur mit dir an?“

Aber er sah es ja, es war da vorläufig nichts zu tun. Vielleicht würde Fräulein Nissen von selbst kommen und ihm Bescheid sagen...

„Willst du dich nicht setzen?“ fragte er noch, denn sie sah aus, als ob sie sich kaum auf den Füßen halten könne. Und da schlich sie sich ganz sacht und gar nicht, wie Sörine Heidekamp sonst auftrat, an das schwarze Ledersofa und versank schier in der einen Ecke.

Direktor Sörensen aber schrieb weiter und sah sich nicht ein einziges Mal nach dem Trotzkopf um. War es wirklich ein Trotzkopf, dann sollte er morgen erfahren, daß der neue Direktor durchaus nicht mit sich spaßen lasse. — Heute aber war das Mädel krank und verstört ... Und man mußte diese jungen, unberechenbaren Geschöpfe anders anfassen, als einen gleichaltrigen Knaben.

Nun, der alte Heidekamp würde trotz der Rücksichtnahme wettern...

Der Dreiklang eines Kraftwagenhorns riß ihn aus seinen Betrachtungen und wahrhaftig — da hatte sich auch schon seine Tür geöffnet und wieder geschlossen, man hörte ein paar leichte Schritte draußen laufen, rennen, fliegen...

Und das Mädel stieg drunten ein, ohne Mantel, ohne Hut, und das Auto ratterte davon, — er konnte meinen, es sei alles ein Spuk gewesen.

Er lachte kurz auf. Hab’ ich das nun klug oder dumm gemacht?