Wie aber sollte ich den Reichtum ertragen, wenn ich wirklich sein Weib sein dürfte? Ganz eins mit dem Geliebtesten?
Dies Glück zu fassen, müßte ich wohl erst lernen. Herzliebster Lehrer, glückselige Schülerin!
In der Nacht vom Sonntag zum Montag.
Heute hatte ich Gäste.
Es war ein angeregter Kreis meiner nächststehenden Freunde, und zugleich ein Einstandsfest für meinen Pflegesohn, – eine Feier für den neuen Pfarrer Konrad Oswald und ein Begrüßungsfest für den heimgekehrten Freund Leo von ter Mählen. Es waren nur die Heidkamper da, der geistvolle katholische Pfarrer Trewes, beide Oswalds, sowie unsere guten Pastorsleute Hansen. Morgen ziehen sie an den sonnigen Rhein, glückselig, dies dunkle Heideland verlassen zu dürfen. In ihrer Freude wurden sie ganz geistvoll-strahlend beredt und machten einen so gewinnenden Eindruck, daß Oswald mir scherzend zuraunte: »Gestehen Sie es nur, verehrte Baronin, es tut Ihnen schon leid, mich hergeholt zu haben …«
Da konnten wir beide uns freilich fröhlich-verständnisvoll zunicken.
Nach dem Abendbrot kam Clemens-Hartmut auf ein Stündchen zu uns herein. Als er mich in meinem weichen, weißseidenen Gesellschaftskleide sah, das sich in reichen Falten um mich und den alten, geschnitzten, grünen Sessel legte, – da leuchteten seine dunklen Augen auf. Ohne auf die fremden Menschen zu achten, lief er zu mir hin und rief mit seiner weichen, schönen Stimme: »Siehst du, wie du leuchtest, du Lichtchen?«
Dann küßte er mir etwas verwirrt die Hand, weil mein Gesicht ihm wohl blaß und ungewöhnlich ernst erschien. Ich hatte ihn in einen schwarzen Samtanzug getan, seine dunkeln Locken wurden köstlich von einem schweren Brüsseler Kragen eingerahmt, wie man sie auf van Dycks Bildern sieht. Ich fand ihn in einer der Lageschen Truhen. Die schlanken Beinchen, an welche sich enge Kniehosen anlegten, steckten in seidenen Strümpfen und Schnallenschuhen.
Ein schönes Bild war mein Junge. Ich erhob mich an seiner Hand und stellte ihn ganz feierlich als meinen Pflegesohn vor. –
Frau von Heidkamp liefen die hellen Tränen über das Gesicht. Sie ist so rasch und warm empfindend, man las ihre Gedanken beinahe schon vom Gesicht ab, ehe sie sich ungestüm äußerte: »Was gebt ihr für ein entzückendes Bild ab, ihr beiden Schwarzweißen!« Dann küßte sie mich und den Jungen, der es sich mit einem leichten Trotz, den sie reizend fand, gefallen ließ. –