»Ja.«

Dann erzählte ich ihm alles. Und sah, wie es in dem Freunde arbeitete, und sah, daß er heute noch nicht als »alter, verständiger Mann« zu mir gekommen war, sondern daß er erst während meiner Erzählung seine eigene Hoffnung für immer begrub. Ich hatte wohl nicht hindern können, daß meine Hoffnung mich durchleuchtete.

Noch lange, nachdem ich geendet, saß er mir schweigend gegenüber. Dann stand er langsam auf und nahm meine beiden Hände. »Sie sollen Ihre Mission keinem Unwürdigen anvertraut haben, Freiin Brigitte, ich hafte Ihnen für die sorgsamste Ausführung. Noch in dieser Nacht fahre ich mit dem Kraftwagen nach Holland. Was soll ich Ritter Lage sagen?«

»Daß ihm die Gitti gehört für Zeit und Ewigkeit in Lager Treue!«

September.

Heute ist mein Krankenhaus und mein Kinderheim geweiht worden.

Welch schöner Tag! Wenn er auch seltsam für mich war, da ich nichts vom Ritter Lage und nichts von Baron Leo gehört habe. Wenigstens nichts, was von Belang für mich ist. Clemens Lage hat für das Krankenhaus eine große Summe an Oswald überwiesen, die dieser mir heute überreichte. Er tat es in Feierlichkeit, und ich dankte mit wohlgesetzten Worten. Neben mir stand mein Junge, und die Dörfler alle schauten neugierig, aber doch freundlich in sein schönes, feines Gesicht. Die wenigsten haben den Ritter Lage von Angesicht gesehen, so fällt ihnen auch keine Ähnlichkeit auf. Pastor Oswald und Pfarrer Trewes hielten je eine Ansprache an die protestantischen und katholischen Dorfbewohner; der sympathische Baumeister überreichte mir ein Bund, und ich erschloß das Haupttor mit einem besonders kunstreich geschmiedeten Schlüssel. Dann folgten mir alle durch die schönen, großen Zimmer und lichten, kleinen Nebenräume. Im Saal war eine lange, blumengeschmückte Tafel aufgestellt, geblümte Kannen, Tassen und Teller und Berge von Kuchen standen darauf. –

Clemens-Hartmut war überall.

Wo es etwas zu helfen gab, besonders bei den uralten Weiberchen und bresthaften Mannsen sah ich das schöne, in Mitleid und Liebe leuchtende Knabenantlitz.

Und wo er sprach und half, da streckten sich auch mir runzlige Hände voll Dank entgegen: »Was ist er doch für ein lieber Bub!«