»Und war denn der Flötist zufrieden mit deinen Leistungen?«

»Oh, der wollte mich schon mit in die Kapelle nehmen. Da hätte ich Geld verdienen können. Aber – nicht mit einer Blechflöte … Und eine richtige Flöte kostet 20 Mark! Denk’ nur, Gittimuhm, zwan–zig – Mark!!!«

»Es ist erstaunlich!« –

Seit jenem Tage musiziere ich mit meinem Jungen, aber nur zur Belohnung fantasieren wir zum Schluß zweistimmig, denn er lernt ganz planvoll von mir das Klavierspiel, und wir sind fiebereifrig auf die Erledigung der Aufgabe. So versüße ich mir das Bangen, das Harren, das Warten … Diese drei Dinge hat der Böse erfunden, und jeder Heilige soll machtlos dagegen sein. –

Auch das Rennen hinein in den Lager Wald trägt nicht mehr die Heilkraft von ehedem in sich. –

Freilich hat es einen Reiz mehr bekommen durch meinen lieben, kleinen Wanderkameraden, der sich mir sofort anschließt, sobald mein Fuß den Park betritt. So köstlich war es, ihm alle meine Stätten zu zeigen, den Märchenwald, den Ilexpfad, Joochen Lages Grab, die Clemenskapelle und den verschlossenen Tempel. Die vielen, mich überstürzenden Knabenfragen hatten nichts Quälendes für mich, ich mußte ja unablässig daran denken, daß es ein Lage ist, dem ich Rede und Antwort stehe. –

Und wundergut war das Wandern zu zweien, dies Austauschen der Gedanken über alles, was zwischen Himmel und Erde einem zehnjährigen Prinzen und einer Prinzessin, die alle Möglichkeiten verschlafen hat, verständlich und unverständlich ist.

Was ich mir in stillen Stunden erhofft und ersehnt, solch ein Wandern mit dem geliebtesten Menschen auf dem Erdenrund, – – nun gab es mir das Geschick in diesem Knaben, Ritter Lages Sohn. –

Bei ihm lerne ich das rechte Schauen. »Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder.« Und ich lernte das herzliche Lachen über harmlose Dinge und Begegnungen. Häßlichkeiten verklärt mir der sonnige Bursch durch sein liebes Lachen. –