»Du bist das Licht von Lage«, sagte ich an seinem Ohr. »Ich habe es vom ersten Sehen an gewußt.«
»Der Leuchter taugt nichts«, rief er schroff, und warf plötzlich die Schachfiguren durcheinander. –
In solchen Augenblicken vermag ich es, lachend mit ihm zu schelten und an seinen dunklen Locken zu zausen. Würde ich schweigen zu seinem Zornanfall, so würde sofort das Mißtrauen in ihm aufstehen. Daß ich Mitleid haben könnte …
Und so muß ich in angespannter Selbstzucht alles niederzwingen, was sonst ein junges Menschenkind sich zur Hilfe heranholt in seiner seelischen Not.
Oft verläßt Baron Leo brüsk das Zimmer, dann legt sich eine tiefe Zornesfalte zwischen Ritter Lages Augen, und ich muß rasch mein eigenes Antlitz an seiner Brust bergen, damit er nicht gewahr wird, daß ich mich fürchte. Schreckhaft bin ich geworden. Das hätte ich nie von der mutigen Gitti gedacht. –
Am 2. Advent.
Eben habe ich das zweite Lichtchen entzündet.
Ich bin schon im Brautkleid. Aber mein Liebster ist heute recht schwach nach einer schlaflosen Nacht. Die Ärzte sind bei ihm und haben angeordnet, daß die Trauung nicht in unserer Kirche, sondern im Tempel stattfindet. Die Stätte, da wir uns fanden, soll uns auch ewig binden. –
Pfarrer Trewes und Konrad Oswald sollen uns nach protestantischem und katholischem Ritus zusammengeben, gleich nachdem der Ortsvorsteher uns standesamtlich verbunden hat.
Leo von ter Mählen geleitet mich durch den unterirdischen Gang zu meinem Liebsten.