»Ja, Ritter Lage.«

»So komm doch herein, du Schönes, du Scheues, du ganz Liebes! Wärest du eher gekommen, hätten wir miteinander beten können. Alle Lages fangen ihren Ehestand mit Gebet an. Selbst so wilde, rastlose Gesellen, wie ich einer bin. Gott grüß’ dich, Gitti!«

»Gott grüß’ dich, Liebster!«

Dann war die schöne Feier. Und dann gingen die andern alle fort. Nur wir beide saßen Hand in Hand und Mund an Mund. Und er umschlang mich mit seinem gesunden Arm, während ich vor ihm kniete, und sagte mir aberhundert Liebesworte ins Ohr. – Die ich nimmer vergessen werde. Eva kam, und ich folgte ihr und legte ein weites, weißes, weiches Hausgewand an, das mit einem feinen goldenen Gürtel von seltsamer Form, Ritter Lages Brautgeschenk, zusammengehalten wurde. In diesem Kleide durchwachte ich meine Brautnacht. Mein liebster Mann schlummerte bald ein, und heute morgen schaute er ganz hell aus den Augen und grüßte mich froh: ›Guten Morgen, Freifrau von Lage!‹ Und jagte mich dann heim in den grauen Alltag, auf daß auch ich mich ausruhen solle. Dafür begehrte er unsern Sohn, Clemens-Hartmut Lage. – Der Junge ist baß erstaunt, daß aus ihm schier über Nacht ein Freiherr Lage geworden ist. Er ist zärtlich-gut zu seinem Vater und betreut ihn wie ein gelernter Krankenwärter. – Auch ich habe fest und traumlos ein paar Stunden geschlafen. –

Am heiligen Abend.

O du fröhliche, selige Weihnachtszeit!

Nie habe ich dies alte, erinnerunggesättigte Lied so innig gesungen wie diesmal. – Fröhlich und selig sind die Tage bis heute verlaufen. Ritter Lage, wie liebt dich dein Weib! Daß ich bei dir sein, daß ich dich pflegen darf! Daß ich jeden Tag und beinahe jede Stunde hören darf: ›Meine Gitti, sei gesegnet!‹ Nun hat mein einziger doch heute zum erstenmal Pläne geschmiedet, und ich habe ihm jauchzend zugestimmt.

Gleich nach dem Fest wollen wir mit dem Reise-Kraftwagen in ein milderes Klima fahren. Der graue Alltag drückt zu sehr die Stimmung herunter, – – der Name tut es, und auch die graue, dicke Nebelluft. – Baron Leo und Ludwig wollen uns als Kuriere begleiten. Mein Tag war heute schon reich und ausgefüllt. Denn ich brachte die erlesenen Gaben, die mein Liebster mir für unser Dorf gespendet, in die Häuser, und überall leuchteten Lichter im grauen Alltag, das waren die dankbaren Augen meiner Pflegebefohlenen.

Wie gern hätte ich auch im Krankenhaus und Siechenheim und besonders in meinem eigenen ›Lager Huus‹ ein besonderes Licht angezündet, indem ich ihm einen lichten Namen gab. – Aber mein Suchen war immer noch ergebnislos.