Sie sah mich hilflos an. »Gnädig Frölen dürfen nicht solch böses Gesicht ziehen. Ich gebe keine Befehle, ich führe sie nur aus.«
»Wo ist der Kranke?«
»Fortgeholt.«
»Von wem?«
Ich stellte mich an das kleine, bleigefaßte Fenster, das vom Gange aus nach dem Park schaut, und trommelte heftig mit den Fingern dagegen. Und unter dieser Musikbegleitung enteilte Eva lautlos, ohne mir zu antworten.
Ich habe dann den köstlichen Frühlingsmorgen benutzt und bin mit einem Ölkrüglein durch den Märchenwald geschritten, um dem heiligen Clemens das ewige Lämpchen anzuzünden. Dann hielt ich eine stille Andacht und freute mich tief und glücklich des kleinen, stimmungsvollen Kirchleins. Strich auch sacht mit der Hand über die wunderschöne »Pietà«. Nirgends an der Gruppe fand ich einen Namen, – es ist auch gleichgültig. Wer so etwas meißeln kann, ist ein König …
Zu Hause war ich dann guter Gedanken voll und setzte sie rasch in die Tat um. Zwei Briefe schrieb ich. An Fernande Lage, das protestantische Spitalweibchen, und an Matthias Lage, den gläubigen Katholiken. Ich bat beide, ihren Wohnsitz aufzugeben, um zu mir in mein Haus, das auch ihren Namen trüge, überzusiedeln. Sie sollten hier einen schönen, glücklichen Lebensabend genießen, soweit es in meiner Macht läge, und einst da ruhen, wo alle Lages ausrasteten. –
Damit habe ich bei dem »Ohm Matthias« sehr schlecht abgeschnitten. Er schreibt seine Antwort so grob und mißbilligend, daß ich sie mir ungefähr so übersetzt habe: »Gestorben wird, aber ob du es erlebst, du dummes Wicht, das ist die Frage.«
Tante Fernande dankt mir kurz, verspricht ihr Kommen und lobt mich aus einer falschen Voraussetzung. Sie findet es außerordentlich klug und bedacht von mir, daß ich mir in ihr eine Beschützerin und Anstandsdame heranholen will.
Nichts lag mir ferner. Ich will zwei einsamen Lages, die mittellos in der unruhigen Welt wohnen, eine Heimat geben, eine friedenvolle, sorgenlose.