»Kleine Gitti, ich werde noch heute eine lange Reise antreten. Diese Reise wird großes Glück oder unfaßbares Leid bringen, mir und dir …«

»Für mich ist es schon Leid, wenn du fortgehst, Ritter Lage …«

»Gottes Segen über dich, Gitti, Seelchen!«

Einen Augenblick war ich fassungslos. War es die Lichtfülle, die über mein einsames Leben hereinbrach? Die meine Augen so blendete, daß ich nichts in meinem Umkreis mehr unterscheiden konnte? Ich warf mich auf das Ruhebett und lachte und weinte in das weiße Fell hinein, und der vornehme Duft, der das ganze Zimmer beherrschte, legte sich schmeichelnd auf meine Sinne.

Aber als ich dann aufsprang, weil die liebe, klangvolle Stimme verstummt war, und dann durch die Tapetentür in mein eigenes Zimmer schlüpfte, da war dieses kalt und dunkel und leer. Und wie in weiter Ferne sah ich das stille Gesicht der alten Eva, und hörte ihre trockene Meldung: »Der Herr Baron lassen sich bestens empfehlen.«

29.

Es ist gut, wenn ein geliebter Mund Worte prägt, die dann zu Leitsternen werden. Mein Leitstern in all diesen Tagen, »die nicht in meinem Leben zählen, da er fern von mir«, war das Wort: »Es kann nie wieder ganz dunkel werden im grauen Alltag.« So konnte ich Sieger bleiben tausend kleinen Widerwärtigkeiten gegenüber und konnte Fröhlichkeit in mir tragen und Zuversicht tausendfältig abgeben. Trotz des Heimwehs, das mich schüttelt. Trotz der tiefen Sehnsucht nach seiner Stimme, seinen märchendunkeln Augen. Und ich vermochte es, meine Unrast einzudämmen, die mich umtrieb im Lager Busch, im Holländerwald und in der roten Heide. –

Über Nacht ist das Blühen gekommen. Rot leuchtend liegt meine Heide da, weit ausgebreitet ihr schimmernder Teppich. Und die Sonne küßt sie wieder und wieder und kann sich nicht satt sehen an ihrer Schönheit. Der Morgenwind harft ein Preislied. In seinem Hauche neigen sich die Birken huldigend ihrer Heidekönigin, deren kraftvollem Schoße sie ihre schlanke Schönheit verdanken. Stärker duftet der Ginster, heilkräftiger der Wacholder. Über Mittag surren die Bienen heran, alles atmet rascher, – ein rastloses Arbeiten hebt an, ein liebedurchglühtes, ein starkes Schaffen.

Dann wieder die betende Stille, die sonnendurchglühte Rast, bis der Sonnenball zum letzten Male die Kiefernstämme küßt, daß sie metallen glänzen. Und dann tot stehen, weil die leuchtende Mutter von ihnen wich mit einem letzten Gute Nacht. –

Morgen, morgen leuchtet wieder die rote Heide!