Nun war es an mir, mich brennend zu schämen.

Er sah es und half mir ritterlich. »Tat ich Ihrem Stolze weh? Ich mache es wieder gut, indem ich Ihnen sage, daß ich niemals überwinde. Sie treten nicht in ein Mannesleben, um vergessen zu werden. Sie fühlen das auch, fühlen es so stark, daß Sie Ihre Folgerungen gewissenhaft ziehen. Daß Sie sich der Pflichten eisern bewußt sind, die Ihnen Ihre große Macht über die Menschen auferlegt.«

»Ahnt Frau Maria all dieses?« fragte ich laut.

»Sie weiß es«, war seine Antwort. »Weiß es viel länger, als Sie selbst es wissen. Und in ihrer großen Liebe zu mir sagte sie dennoch ja, denn sie wollte mir helfen zu überwinden, wollte dabei auch Ihr großes Liebeswerk am Dorfe fördern … Und nun gehen wir beide –«

»Was heißt das?« fragte ich bestürzt.

»Das heißt, daß ich mich um eine ausgeschriebene Pfarrstelle in Berlin beworben habe. Man will mir wohl im Kultusministerium, die Fäden sind bereits angeknüpft, und im großen Getriebe der Weltstadt fragt auch niemand nach Marias Herkunft. So bleibt ihre feine Seele vor Nadelstichen verschont, – sie trägt genugsam an dem großen Leid, daß mein Herz und meine Seele in Lage bleiben. Und doch neidet sie Ihnen beides nicht, Freiin Brigitte, denn sie ordnet sich Ihnen unter.« –

Wir sahen uns an, und ich fühlte, daß etwas unendlich Gutes und Großes mit diesem Manne aus meinem Leben schied. Einen Augenblick durchfuhr mich der Gedanke, ob es nicht das Glück gewesen sei, das ich mit meinem raschen Handeln von meiner Schwelle verjagt hatte. Aber da stand es plötzlich mit leuchtender Schrift vor meinem Auge: »Das vierte Päckchen bringe ich dir selbst, Gitti!«

Und dieser Gedanke flutete wie ein Meer von Glück über mich hin.

»Mein Herz ist seit langem gebunden!« sagte ich laut. »Und ich hoffe unablässig, daß mein Bruder Konrad Oswald Frieden und Überwinden finden möge. Grüßen Sie mir Maria. Ich werde sehr einsam durch euer Fortgehen, aber es ist das beste so.« –

Die scharfe Blässe hatte sich wieder über Oswalds Gesicht gelegt; er verbeugte sich tief und schritt über meine Schwelle hinaus in die Nacht. Ich aber lehnte meinen Kopf an die Mauer der Horchbucht und sagte eindringlich: »Ritter Lage, bring’ mir Sonne! Ritter Lage, ich gehöre dir für Zeit und Ewigkeit!«