Und es taten sich Dome von silberstämmigen Buchen auf, die reichten bis zum Himmel und klopften beim Herrgott an, daß Er sie segne … Immer wieder kommen mir diese gleichen Gedanken. Und gestern war mir ganz eigen fromm und gut zu Sinn.
Und was ich nun in der Folge niederschreibe, da ist auch kein Fehl daran, und hat sich alles so zugetragen und sich wie Flammenschrift in mein Herz und mein Gehirn eingebrannt. – – –
Auch das Lichtchen in der Clemenskapelle brannte, und aus dem Tempel schimmerte es hell. Ein breiter Strom goldgelben Lichtes floß heraus, als sollte dem Christkind der Weg bereitet werden.
»Sieh, da naht es schon«, sagte die dunkle, klangvolle Stimme des Ritter Lage. Und wie immer stritten sich Güte und Sarkasmus in diesem Klange. Als ob er auf mich gewartet hätte, so trat er heraus und streckte mir beide Hände entgegen. Aber meine Füße wollten mich nicht weitertragen, und ich schwieg hartnäckig.
»Will man zum heiligen, oder zum profanen Clemens?« scherzte er; um dann ernst hinzuzusetzen: »Die Regenschirmbase tut immer das Richtige. Jetzt schweigt sie, – wie der Märchenwald dort …«
Da trat ich rasch näher und legte meine kalten Hände in die seinen und rief: »Der Märchenwald sagt: ›Gottwillkommen, Ritter Lage!‹«
Er nickte ernst. »Dies sieht der Regenschirmbase gleich. Sie fragt nicht, bringst du Gutes oder Schlimmes? Sie scheint auf Gerechte und Ungerechte.«
»Was Ritter Lage mir bringt, kann nur gut sein«, sagte ich überzeugt. »Man spürt den Segen nur nicht immer gleich, – und – ich brauche viel Sonne – und bin so einsam.«
Die letzten Worte konnte er kaum vernommen haben, so leise hatte ich sie gesprochen. Und doch schlug er mit einem Male beide Hände vor sein Gesicht. Es sah erschütternd aus.
Was sollte ich tun? Ich kämpfte mit den Tränen. Aber er war mir doch zu fremd, ich konnte ihn nicht berühren, sosehr ich ihn liebte. Da hatte er sich schon wieder in der Gewalt. Seine Hände sanken herunter, er faßte den Elfenbeinstock fester in die Rechte und machte eine Handbewegung, daß ich ihm folgen solle. Er führt mich ja nie, – sein Gebrechen erlaubt es nicht. –