Laß Dich herausreißen von einer starken, vornehmen Männlichkeit, verschwende keinen Gedanken mehr an mich.

Wenn mein Leiden größere Fortschritte machen sollte, so will ich mich selbst in Haus Lage vergraben, wenn Du es verlassen hast. Dein Geist, Gitti, bleibt ja doch darinnen und wird sich meinem brennenden Heimweh zugesellen …

Der Enterbte.«

Nach dem Lesen dieses Briefes bin ich zum erstenmal als Herrin aufgetreten. Ich habe die Antwort geschrieben und dann in der Silvesternacht die alte Eva geweckt und habe sie durch den unterirdischen Gang mit dem Briefe zu Ritter Lage geschickt. Bis zur Hälfte des Weges geleitete ich die Müde an meinem Arm, und sie schritt wacher und froher als je zuvor. Weil sie hofft …

Clemens hat ihr selbst meinen Brief abgenommen:

»Ritter Lage, Du hast gar nicht das Recht, mir so zu schreiben. Denn da Du meine Liebe und mein persönliches Ich ablehntest, gehöre ich wieder ganz mir selbst. Über mich selbst aber habe auch nur ich zu entscheiden.

Ich bleibe allein. –

Und die letzte Lage möchte dereinst in Lage sterben. Deshalb weise mich nicht fort aus dem Urväterhaus, auch wenn Du lebenslängliches Wohnrecht darin hast. Ich werde Dir nie im Wege sein. Und Du allein sollst bestimmen, wer unser Erbe dereinst antreten soll. Bis dahin – höre wohl zu, Ritter Lage – verwalte ich dies Erbe, als ob ich Deine Gattin sei und die Ehre Deines Namens zu hüten hätte. – Eine deutsche Lage schenkt Herz und Mund und Leib und Seele freiwillig nur dem, den sie liebt. Dem bleibt auch ihre Treue über das Grab hinaus. Selbst wenn er ihrer nicht wert wäre. So hat es mich mein Vater gelehrt. Du aber bist der Ritter Lage, und ich gab Dir meine Liebe ohne Vorbehalt.

In das Dunkel unserer Tage aber laß uns Sonne tragen.

Deine Brigitte.«