Da kommt er mit Macht!
Nun jauchze, mein Herz!«
Wirblig war’s mir in Kopf und Herz von den aberhundert Erinnerungen, die durch dieses Lied geweckt wurden. An köstliche, unvergeßliche Stunden, da wir es einst im Thüringer Walde sangen. Ich lehnte mich sinnend an den Stamm einer der Weiden, die den Lager Weiher umstehen. Und die schier rot wie Blut leuchteten von warmer, treibender Vorfrühlingskraft. – Da sagte eine mißtönende Stimme irgendwoher: »Sie kann singen – – sie kann es schon wieder.« Dann folgte ein schrilles Lachen.
Die Korb-Sina hatte sich schier in die Höhlung der Weide verkrochen, ein Korb mit Baumerde stand neben ihr. Das Weib sah mich böse an, und doch auch abwesenden Blickes, als sei sie sich nicht völlig bewußt, mit wem sie spreche.
Und da ich in ihre gramvollen Züge sah und die Anklage, die in den Augen stand, nicht ertragen konnte, fragte ich eindringlich: »Sina, was habe ich dir getan?«
Die Alte kreischte auf. »Sie fragt! Sie untersteht sich zu fragen! Die reiche Baronin fragt, was sie dem ärmsten Weib im Dorf gestohlen hat.« – –
Nun hätte ich wohl weit fortlaufen mögen, aber Sina hielt mich mit harten, knochigen Fingern fest.
»Laß mein Kleid und meine Hand los,« gebot ich ruhig, »ich setze mich neben dich auf den andern Stamm, wenn du mir Wichtiges zu sagen hast.«
»Wichtiges?« wiederholte sie spöttisch. »Ich glaube wohl. Wichtiges! Je nun, wie man es nimmt! Wichtiger für Sie, gnädige Baronin, als für die verachtete Korb-Sina. Wenn Sie mir nicht meine Maria genommen hätten, behielte ich’s für mich, was ich weiß …«
»Ich habe dir nicht deine Maria genommen«, rief ich ungestüm, aber sie fuhr fort, als hätte ich sie nicht unterbrochen.