Befremdet sah Edlef sie an.
»Ich muß dir etwas sagen«, sprach sie leise und hastig. »Ich habe es wohl gespürt, wie die Ahne und deine Mutter mich anschaun und um mich herumreden und wie sie dich fragen, mein Edlef. Ich dank dir, daß du mich niemals damit gequält hast, du Guter. Aber heut muß ich dich quälen – und dir sehr weh tun, mein Edlef … Ich werde nie ein Kindchen wiegen … der alte Doktor Brodersen hat es mir gesagt … Edlef …«
Edlef Holgers war aufgesprungen, doch gleich griff seine Hand tastend nach rückwärts, als bedürfe er einer Stütze.
»Was redest du da?« fragte er tonlos. »Das … das ist ja gar nicht möglich!«
Maren antwortete nicht. Sie sah ihn nur an. Nicht wie jemand, der seinen Urteilsspruch erwartet. Nein, ganz ohne Angst, ganz fest und ruhig. Ein stiller Schmerzenszug lag um ihren blassen Mund, der sagte: »Das Schwerste hab ich bereits mit mir selbst durchgerungen, du kannst es mir noch schwerer machen, indem du dein eigen Leid dazupackst, oder du kannst mir alles tragen helfen …« Aber ihr Mund blieb stumm.
Langsam wandte sich Edlef. Sie streckte die Hände nach ihm hin, aber er sah sie nicht. Ein paar Worte stieß er heraus: »Der Arzt kann sich irren …«
»Er irrt sich nicht …«
Da ging Edlef hinaus, die Tür schlug hinter ihm zu, und mit leisem Wehruf brach Maren Holgers zusammen.
In ihrem Stübchen stand Maren Holgers früh vor Tau und Tag. Diese Frühstunden, da die Sonne aus dem Meere emporstieg und die stille Hallig grüßte, gehörten ihr allein. Sie beraubte niemand, wenn sie still mit gefalteten Händen untätig und träumend dem Sonnenaufgang ins gewaltige Antlitz schaute.