Es war ein winziges Gemach, das schlichteste im ganzen Mutterhof, welches Maren von all den vielen Gelassen für sich ausgesucht hatte. Seine Fenster gingen nach einem Krautgärtchen hinaus, das Maren selbst betreute. In dem sie grub und säete, pflanzte und pflückte. Ein kleiner Arbeitstisch und davor ein Sorgenstuhl, der Nähtisch der verstorbenen Mutter und eine uralte »Erfurter Lade« bildeten die Ausstattung des traulichen Gelasses. Auf den breiten Fenstersimsen blühten zwischen schneeigen, weißgepunkteten Vorhängen blutrote Geranien und starkduftende Reseden.

In den ersten Wochen ihrer jungen Ehe hatte sich Maren oft in ihr kleines Reich geflüchtet, um mit all dem überwältigend Neuen, das in ihr Leben getreten war, allein zu sein. Sie hatte stille Zwiesprache mit der heimgegangenen Mutter gepflogen, deren Rat sie gerade jetzt dem vielen Unbekannten gegenüber so schwer vermißte. – Hie und da war ihr Edlef nachgeschlichen. Da war ihnen beiden dann wohl in seligem Ineinanderverlieren Zeit und Stunde vergangen.

Dann war es anders geworden. Die Ahne sah sie des öfteren ernst und mißbilligend an. Sie empfand das Alleinseinwollen der jungen Frau als »städtische Mode«, die sie nicht auf dem Mutterhof eingeführt haben wollte. Und über Edlef kam allgemach das starke, frohe, stolze Besitzergefühl, das sich seine süßen Feierstunden nicht erschleichen wollte, solange draußen in Hof und Gewese hilde Arbeit drängte. Er selbst rief mit schallender Stimme den Feierabend aus und wußte, daß er nun erst mit Fug und Recht sein Königreich hinter sich zuschließen durfte.

Wann war all dies Beglückende, Heimliche gewesen?

Maren dünkte es Jahrzehnte.

Wie jäh verändert Edlef war!

Alles Sonnige war von ihm gewichen. Wie seltsam düster und fremd er sie oft anschaute! Als sei sie selbst die Schuldige, die ihm seine Hoffnungen zertrümmert habe, und nicht das unergründliche, bittere, unbegreifliche Schicksal. –

Und das war derselbe Edlef, der Tanten Frauke aus dem Wust und Staub der Vorurteile herausgerettet und sie bedeutet hatte: »Du hast genug gelitten!«

Wer löste Maren dies Rätsel von Halligweise und Holgersart?

In den ersten Monaten ihrer Ehe hatte Edlef oft die Zukunft in das Bereich seiner Betrachtungen und Pläne gezogen.