»Vielleicht. – Krank vor Liebe zu Maren. Aber das darfst du ihr nicht sagen. Rufe sie auch nicht herein. Ich müßte sie sonst in meine Arme reißen. Und ein Schuft bin ich nicht …«
»Edlef, was soll das?«
»Nein, Manne, frag mich nicht. Das stürzt jetzt alles über mich herein wie der blanke Hans über die Halligfennen. Herrgott, bin ich unglücklich! Ja, das kannst du deiner Schwester sagen. Gute Nacht, Manne.«
Mit schweren Schritten ging er hinaus.
Nach einer Weile kam Maren herein. In lieblicher Verlegenheit und mit glänzenden Augen.
Aber der Glanz verlosch, als sie den einsamen Bruder vorfand. Der nahm sie in seine Arme. »Mein klein Deern, ich sagte vorhin, es sei heut ein schöner Tag, aber es ist ein wunderlicher draus geworden. Edlef Holgers ist unglücklich, und ich weiß nicht warum. – Fahr nicht auf, mein klein Deern, bleib du ruhig an meiner Schulter liegen.« Er streichelte ihr weiches Haar. »Sieh, lütt Swesting, wenn unser liebster Freund unglücklich ist, dann müssen wir fein stille sein. Das ist dann wie ein Verband für seine Wunde. Laß uns Geduld haben. Es wird sich alles klären.« Da löste sich Maren sacht aus seinen Armen und ging ganz still wieder aus der Stube. Und der Bruder sah ihr nach mit ernsten Augen. Nahm dann einen Stapel Hefte und tauchte die Feder in rote Tinte. Und las zehnmal die Aufsätze durch über das Thema: »Die letzte Sturmflut auf Hallig Likamp.«
Auch in seiner eigenen Brust tobte ein arger Sturm. Und der letzte Schüler bekam eine glatte Eins unter den Aufsatz. Trotzdem die zwei dürftigen Seiten kreuz und quer rot durchstrichen waren. Aber der Lehrer war zum erstenmal zerstreut in seinem ernsten Dienst.
Seine Schwester Maren … sein alles. – Daß er dies feine Lebensschifflein in einen schönen, ruhigen Hafen lotse, dafür hatte er sich gesorgt und in widrigen Verhältnissen gedarbt. Und nun schien da plötzlich eine schwere Bö aufzukommen …
Manne Wögens grübelte und sann im ruhelosen Auf- und Abwandern. Das Licht im Schulhause wollte nicht löschen in dieser Nacht.
Edlef Holgers stand im Dunkeln am Hause seiner Braut. Er wußte selbst nicht, was er dort wollte. Wild und weh war ihm zu Sinn, und einen eklen Geschmack trug er auf der Zunge. In der Stube der Wöchnerin brannte mattes Licht. Meckerndes Kindergeschrei drang heraus. Aber auch übermütiges Kreischen aus der helleren Stube nebenan. So pflegte Akke Luersen bei derben Scherzen zu lachen, die ihm so zuwider waren. Eine Männerstimme lachte mit da drinnen und prahlte dazu mit lauten Worten, die dann wieder wie erstickt klangen. Als halte jemand eine Hand auf seinen Mund, um ihn zur Ruhe zu mahnen.