Da hatte sich die alte Frau langsam erhoben. Die Hände abwehrend ausgestreckt, stand sie steil hochgerichtet, also daß der müde Kopf der gepeinigten, jungen Frau keine Ruhestatt mehr gefunden.
»Ja, betrogen«, wiederholte die Greisin laut und hart. Sie war mühsam zur Tür geschritten. Dort hatte sie sich noch einmal umgedreht und voll Grimm geforscht: »War’s nur ein Rausch? Ist’s Feuer ausgebrannt? Wo blieb die himmellodernde Liebe?«
Der Stolz straffte die gebeugte Maren. »Ich sollte Euch nicht drauf antworten, aber Ihr seid die Ahne. – Mit unserer Liebe hat das Schicksal nichts zu tun …«
»So hat wohl Gott den Mutterhof verlassen, und er soll aussterben und dahinfahren …«
Die Tür war zugeschlagen, und Maren fand sich allein.
Dies alles überdachte Maren, da sie heute wieder eine stille Stunde in ihrem Reich gesucht und gefunden hatte.
Vor wenig Tagen erst war die Aussprache mit der Ahne gewesen. Was für Tage der Qual lagen dazwischen! Und das sollte nun so fortgehen durch eine Ewigkeit.
Sie war so jung, so schrecklich jung … Unerträglich dünkte ihr die Zeit, die vor ihr lag.
Ein Sturm ging jetzt über sie hin. Wild und weh weinte sie in jäh ausbrechender Verzweiflung.
Heiß, bitter und ätzend waren ihre Tränen.