»Ja, Edlef. Halte Mutter und Ahne fern. Tante Frauke sitzt drüben, sie ist mir wahre Hilfe und Stütze.« Maren legte ihre beiden Hände auf Edlefs Arm. »Bitte die Mutter, daß du heute drüben schlafen kannst.« Ein liebliches Rot stieg in ihr junges Gesicht. »Wir können dich hier so gar nicht brauchen heut nacht.«
Schrille, herzzerreißende Klagelaute tönten aus der Kammer nebenan. »Geh, – geh, mein Edlef.«
»Herrgott!« stammelte er, – »will denn die Schmach gar nicht enden für den Mutterhof?«
Sie sah ihn still an. Dann meinte sie: »Wie wir das Schicksal betrachten. Es kommt nur auf unsere Augen an.«
Da senkte Edlef Holgers tief das Haupt.
Am andern Morgen schritt Maren aus dem Jungteil hinüber nach dem Mutterhof. Ahne und Mutter Holgers saßen bei ihrer Brennsuppe. Ohm Rickert paffte große Wolken. Edlef schaffte schon in Hof und Stall umher.
»Es ist ein Knabe«, sagte Maren statt aller Begrüßung. Und faßte gleich darauf das klein gewordene Runzelgesicht der Ahne in ihre jungen, lebenswarmen Hände. »Nicht wieder krank werden, nicht verzagen, Ahne!«
Die Mutter war hinausgegangen.
Die Ahne hatte die Hände ineinander gekrampft. Nicht zum Beten. »Der Herrgott hat den Mutterhof verlassen«, sagte sie laut und hart.
Da tönte Marens weiche, junge Stimme: »Ich kann das nicht glauben. Wo Gott ein Kindlein hinschickt, solch Haus ist nimmer verlassen …«