»Hast du denn nicht geschlafen?«
»Fünf Minuten oder etwas mehr. Weil ich nicht wußte, daß es Ernst war. Weil … Ihr war’t alle so ruhig … Aber nun läuten sie von der Kirchwarf! … Hört doch! Hört doch! Jesus, Edlef, ich will nicht sterben.«
Sie stürzte zu der Luke, die sie selbst vor einer Stunde vernagelt hatte und entriegelte sie. Polternd schlug der Laden aus ihrer Hand. Alle auf dem Boden erwachten, als der eisige Nachtwind pfeifend über sie hinstrich.
»Akke, wie kannst du?« rief Maren bestürzt und suchte sie vom Fenster fortzuziehen, während Edlef den Laden wieder einfangen wollte.
Aber Akke schlug nach ihnen. »Laßt mich! Seht ihr nicht, wie das Wasser da drunten wühlt? Ist denn keine Möglichkeit, aus diesem Loch herauszukommen? O dies gräßliche Läuten! Geht’s denn zum Sterben?«
Sie schrie und schlug um sich und jammerte, und lehnte sich weit aus der Lukenöffnung und lallte entsetzte Laute, wenn der tobende Gischt sie umsprühte. Die beiden Säuglinge schrien jämmerlich, Maren legte Lütt-Krischan trockene Wäsche unter und beruhigte Akkes Kind, daß es wieder einschlief. »Herr, gebiete dem Sturm, schütz’ Haus und Turm«, beteten Knecht und Magd.
Edlef nagelte den Laden aufs neue fest, und dabei konnte er sich nur mit Mühe der jammernden Akke erwehren, die sich immer wieder auf ihn warf.
»Memme«, rief Jung-Onnen plötzlich und stand in dürftigster Bekleidung vor Akke. »Warum sagtest du denn vorhin so ein hochmütiges Wort, du wolltest schlafen, wenn der blanke Hans käme? Und nun kommt er, und nun ist alles gelogen?«
»Er soll nicht kommen!« Akke streckte abwehrend ihre Hände aus. »Ich hab’ das nicht gewußt, ich hab’ das nicht gewußt …«
Sie ächzte laut und warf sich auf ihren Bettplatz, und wiederholte immerfort die Jammerworte. Dann sprang sie auf.