»Was seid ihr auch für gräsige Holzpuppen, ihr Holgers!« rief sie außer sich. »O warum bin ich auf die grauenhafte Hallig gekommen! Warum bin ich nicht in Hamburg geblieben! Dann dürft ich jetzt leben, leben, leben …«

Da schüttelte Onnen seine jungen, starken Fäuste vor ihren Augen: »Stirb anständig!!! Du! … Schmäh die Hallig nicht …«

Und er warf sich auf sein Lager und weinte wild und schmerzlich.

Da kroch Edlef Holgers zu ihm hin und nahm ihn in seine Arme. Was hatte der junge Bruder da eben gesagt? »Stirb anständig!«

Edlef strich ihm über das Blondhaar, das heiß und feucht von der inneren Erregung an der Stirn klebte. Und er fühlte, wie die jungen Glieder zitterten.

»Nicht krank werden«, raunte Edlef an Onnens Ohr. »Wir zwei müssen uns recht kennen lernen, du … kleiner Bruder! Reiß’ dich zusammen! In deine Hände will ich ja Maren geben, wenn ich fort muß … Spürst du mein Vertrauen? Ja? So sind wir heut erst rechte Halligbrüder geworden …« Ganz dicht schmiegte sich Onnen an des großen Bruders Brust.

»Up ewig ungedeelt …«, lallte er und dann lösten sich seine Glieder in überwältigender Müdigkeit. Sacht ließ Edlef ihn auf das Lager zurückgleiten, und legte sich neben ihn und faltete seine großen Hände über den Kinderhänden. –

Am andern Morgen fiel ein Sonnenstrahl durch das Lukenloch und weckte Maren. Sie schreckte auf. Alle Glieder schmerzten sie heftig. Die Arme und Hände waren abgestorben, beide Kinder hielt sie krampfhaft an ihre Brust gedrückt. Ihr Rücken lehnte an dem großen Bodenbalken, sie konnte kaum den Kopf drehen. Unerträglicher Nackenschmerz quälte sie. Lange konnte sie nicht geschlafen haben, die Säuglinge hatten die Nacht durch geschrien, ohne doch die schwer ermüdeten anderen aufzuwecken. Auch war Maren mehrmals zu dem laut redenden Onnen hingetreten und hatte ihm aus dem Wasserkrug zu trinken gegeben. Tief und fest schlief Edlef neben dem Knaben.

Nun tastete sich Maren nach dem Laden, riegelte ihn sachte auf und ließ die Sonne in den dumpfen Oberboden hinein. Die lachende Sonne, die eine grauenhafte Verwüstung beschien. Maren stöhnte auf, als sie die kurze Umschau hielt. Von den Ställen her hörte sie das Vieh blöken und brüllen. Sie legte die beiden festschlafenden Kinder in die Wiege. Als sie aufschaute, sah sie in Tanten Fraukes ernste Augen.

»Maren, mein Deern, hilf mir auf, – ich kann mich nicht rühren –, aber Gott sei ewig Dank, wir leben und der Mutterhof auch …«