»Aber wie lebt er!« seufzte Maren.
»Komm, Tanten Frauke, wir wollen die andern nicht wecken, sieh, wie völlig erschöpft sie schlafen.«
Sie tasteten sich vorsichtig über die Schläfer hinweg zur Stiege hin.
Als sie an Akkes Lager vorbeikamen, erschraken beide. Das Bett war leer. Auch drunten weit und breit nichts von ihr zu entdecken.
»Vielleicht ist sie schon beim Vieh«, meinte beruhigend Tanten Frauke, und sie schritt, so rasch es ihre steifen Glieder vermochten, nach dem Stallboden. Auch Maren ging tapfer gegen die körperlichen Schmerzen an. Sie schlich sich in die Küche, mußte sich dort aber an die Tür lehnen in heftigem Schreck. Verheerend hatte der Sturm gewütet. Schlamm, Seetang und Muscheln bedeckten den Küchenboden. Darin standen die schmutzigen Küchenmöbel und Kochgeräte bunt durcheinander. Mit unsäglicher Mühe öffnete Maren die eiserne Lade, in welcher sich trockenes Holz befand. Streichhölzer lagen dabei, so konnte sie rasch ein prasselndes Feuer entfachen. Als sie sich umdrehte, stand die Magd Gesine mit verschlafenem Gesicht und krummem Rücken in der Tür, sie schleppte einen Eimer Regenwasser.
»Den kriegen wir erst mal zu Feuer«, lachte sie. »Un denn en orndlichen Kaffeepunsch, der bringt uns alle wieder auf die Beine. Christ Kyrie, war das eine Nacht! Un wo süht dat hier ut!«
Sie reinigten den verschlammten Wasserkessel, füllten ihn und setzten ihn auf das fauchende Feuer. Aus einem hochgelegenen Wandschapp, daran die Wellen nicht gelangt hatten, holte Maren eine Flasche »reines Gotteswort« und setzte sie auf den Herd. Nach einer Weile kam Tanten Frauke mit dem halbgefüllten Milcheimer.
»Wir müssen doch die Mannsen wecken,« sagte sie besorgt, »das Vieh muß vom Boden herunter, es sieht nicht alles so aus, wie es soll. Und die Akke ist auch nicht droben.«
Tanten Frauke begab sich nach dem Oberboden, um dort Bescheid zu sagen, unterdessen versuchte Maren, etwas Behaglichkeit in den Wohnpesel zu bringen. Die Magd heizte den Ofen. Dabei kopfschüttelte sie ergiebig. »Dat süht bös ut, buten un binnen, dat duert ’n beten, bet wi wedder in de Reg sünd …«
»Aber wir haben niemand verloren«, tröstete Maren sich selbst mit, denn im Grunde war ihr das Herz bitter schwer.