»Uns gehen ein paar Stück Vieh drauf, Maren,« rief er ihr zu. »Mich dauern die armen Tiere. Und schwerer Schaden überall … Was hast du, Maren?«

Die Lippen in ihrem weißen Gesicht bewegten sich, aber man konnte nichts verstehen. Die Magd reichte ihr besorgt eine Tasse vom heißen, stark duftenden Kaffeepunsch. Maren trank gierig, und es kam etwas Farbe in ihr trostloses Antlitz.

»Dat is man, Herr Holgers, daß Se blot Vieh verloren hebben,« sagte der Bote, »awer up annere Warfen …«

Und dann erzählte er noch einmal den ganzen Jammer der Schulwarf.

»Den Scholmeester hat de Fru Pastern all in Pflege«, setzte er hinzu. »Da soll sich Fru Holgers nich sorgen. Aber bei Vadder Luersen, da muß wohl uns’ Herrgott de Pfleg’ übernehmen …«

»Ich komme heute noch hin auf die Schulwarf.«

»Das wird gut sein, Frau Holgers.«

Peter Hansen stärkte sich nun auch am dargereichten Kaffeepunsch, aber er erzählte nichts mehr. Trotzdem Mutter Holgers, Tanten Frauke und der Knecht dazu kamen. Er schüttelte nur immer mit dem Kopf und schien ganz von dem Unglück der letzten Nacht erfüllt zu sein. Dann nahm er seine Mütze und entfernte sich dankend. –

Fieberhaft arbeitete Maren. –

Ungeahnte Kräfte schienen ihr zu kommen. Sie scheuerte mit der Magd an den verschlammten Stuben und Möbeln. Sie brachte die schreienden Wochenkinder in frische Wäsche und in die behaglich-dunkle Ruhe von der Ahne-Döntje. Sie schaffte Onnen vom Boden herunter und bettete ihn einstweilen auf ihr eigenes Lager, denn der Knabe war übermüdet und völlig schlafsüchtig. Maren aß auch gehorsam, was man ihr vorsetzte. Man sah, sie wollte sich aufrecht halten, um all der vielen Pflichten willen, die auf sie warteten. Dann, am Nachmittage, als die nötigste Arbeit getan war, und Mutter und Tante sie drängten, stand sie fragend vor ihrem Gatten. Der zimmerte mit dem Knecht und einem »Bohlsgenossen« den umgerissenen Zaun wieder zurecht.